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Götz Hausding
Chancen auf dem Lande

WIRTSCHAFT

Der ländliche Raum sei stark und biete eine hohe Lebensqualität. Diese auffassung vertrat der Parlamentarische Staats- sekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gerd Müller (CSU), während des vom Unterausschuss "Regionale Wirtschaftspolitik" veranstalteten Kongresses "Zukunft der strukturschwachen und ländlichen Räume" am Montag. Er wolle nicht in das allgemeine Klagelied einstimmen, so Müller, wenngleich ihm bewusst sei, dass es Problemregionen gebe. Deren Anteil liege jedoch bei fünf Prozent.

"Die restlichen 95 Prozent sind ein starkes Rückrat für unsere Gesellschaft", sagte der Staatssekretär. Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeigte sich optimistisch, was die Entwicklung des ländlichen Raums angeht.

So gebe es die Möglichkeit, durch moderne Technologien "in der Fläche für die gleichen Chancen zu sorgen wie in den Städten". Der ländliche Raum, so Brüderle, sei keine Ballast, sondern biete Chancen für die gesellschaftliche Entwicklung.

Der Bevölkerungswissenschaftler Professor Herwig Birg wies auf die Folgen der demografischen Entwicklung hin, die seiner Ansicht nach insbesondere das Entwicklungspotenzial der ländlichen Regionen aufgrund von Geburtendefiziten und Abwanderung "auf das Äußerste gefährden". Während über Jahrhunderte das demografische und ökonomische Wachstum der Städte aus den Geburtenüberschüssen der ländlichen Gebiete durch Zuwanderung gespeist worden sei, "ist diese Quelle versiegt", sagte Birg. Wolle man dem Schrumpfen der Bevölkerung entgegenwirken, braucht es laut Birg eine "Stabilisierungspolitik". Im Interesse einer Geburtenförderungspolitik müsse zudem die vom Bundesverfassungsgericht angemahnte Reform der sozialen Sicherungssysteme angegangen werden, so dass Kinderlose in der Rentenfrage nicht länger gegenüber Familien mit Kindern "privilegiert werden".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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