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KURZ REZENSIERT
Aschot Manutschrjan
Kurz notiert

Neben Hiroshima, Auschwitz und der Freiheitsstatue gehörte die Berliner Mauer zu den großen "politischen Ikonen der Menschheit", schreibt Klaus-Dietmar Henke, Herausgeber des gleichnamigen Sammelbandes über die Mauer. Insgesamt 29 Autoren wollen dem Leser ein interdisziplinär umfassendes Bild des DDR-Bauwerks vermitteln. Auch wenn die Mauer materiell fast verschwunden und in der Hauptstadt nur noch fragmentarisch zu finden ist, sei "sie gegenwärtiger denn je", meint Henke. Aber auch ohne diese eher kryptische Bemerkung sind die herausragenden Artikel über die Vorgeschichte des Mauerbaus, die Politik der SED gegenüber der Sowjetunion und den Alliierten oder über die Bedeutung der Mauer als "antifaschistischer Schutzwall" zur Lektüre empfohlen. Für viele Jahrzehnte spaltete die Mauer Deutschland in zwei Hälften, heute ist sie nur noch eine schlechte Erinnerung: Die Mauer trennte Familien; Flüchtlinge aus Ost-Berlin oder der DDR konnten sie nicht ohne Passierschein überwinden - es sei denn, sie setzten ihr Leben aufs Spiel.

In der gut strukturierten Studie schildern Wissenschaftler und Bürgerrechtler das frühere DDR-Grenzregime und die Sperranlagen, sie berichten von geglückten und gescheiterten Fluchtversuchen und schließlich über die Öffnung der Mauer und ihr Ende. Besonders interessant sind die Artikel über die Bedeutung der Mauer in der Erinnerungskultur der Deutschen sowie über ihre Rolle für Literatur, Film und darstellende Kunst. "Wir werden die Mauer nicht vermissen, aber die Mauerkunst", bemerkte der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, dazu.

Unmittelbar nach ihrer Errichtung diente die Westseite der Mauer als Projektionsfläche für politische Parolen: Die Menschen drückten auf diese Weise ihre Empörung und ihren Abscheu über die "Schandmauer" aus. Danach wurde die Mauer zur "längsten Leinwand der Welt", bevor sie schließlich abgerissen wurde und nahezu vollständig aus dem Stadtbild verschwand.

Klaus-Dietmar Henke (Hg.):

Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung.

Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011; 607 S., 24,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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