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Susanne Kailitz
Kurz notiert

Die Flugzeugentführer

19 Männer waren an der Entführung der Flugzeuge beteiligt. Vier von ihnen gelten als Haupttäter, die die Maschinen gesteuert haben sollen: Der Ägypter Mohammed Atta gilt als Entführer und Pilot des American Airline Flugs 11 und steuerte das Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center. Als Pilot des United Airlines Flugs 175, der den Südturm traf, gilt Marwan al-Shehhi, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde. Der aus Saudi-Arabien stammende Hani Handschur gilt bei den US-Behörden als Anführer der Terrorzelle, die eine Boeing 757 ins Pentagon steuerte. Der Libanese Ziad Jarrah soll das vierte entführte Flugzeug gesteuert haben, das über Shanksville abstürzte. Sowohl Atta, Jarrah als auch al-Shehhi hatten vor dem Attentat in Hamburg gelebt und dort die Anschläge geplant.

Die Drahtzieher

Am 2. Mai dieses Jahres wurde Osama bin Laden in Abbottabad in Pakistan von US-Spezialkräften getötet. Der Anführer des Terrornetzwerks Al-Qaida galt als meistgesuchter Mann der Welt. Der als Planer der Anschläge vom 11. September geltende Pakistaner Chalid Scheich Mohammed wurde bereits im März 2003 in Pakistan festgenommen. Der vermutlich 46-Jährige, der unter mindestens 27 verschiedenen Namen bekannt ist, lebte Mitte der 1980er-Jahre in den USA und ging dann nach Afghanistan, Bosnien und auf die Philippinen, um muslimische Kämpfer zu unterstützen. Er wird nicht nur für die Planung der Flugzeugentführungen verantwortlich gemacht, sondern auch für den ersten Anschlag der Al-Qaida auf das World Trade Center 1993, die Ermordung des US-Journalisten Daniel Pearl und die Anschläge auf Bali und in Istanbul 2002 und 2003.

Auch Ramzi Binalshibh, der neben Mohammed Atta als Führungsfigur der Hamburger Terrorzelle gilt, wurde im September 2002 in Pakistan festgenommen und wird derzeit in Guantanamo gefangen gehalten. Auch der Ägypter Mohammed Atef wird für die Planung der Anschläge verantwortlich gemacht. Er gehörte zur Führung der ägyptischen Terrororganisation Al-Dschihad und schloss sich Al-Qaida Anfang der 1990er-Jahre an. Atef wurde bei einem US-Raketenangriff in Afghanistan getötet.

Der deutsche Staatsbürger syrischer Herkunft Muhammad Haidar Zammar soll die Attentäter von 9/11 rekrutiert haben. Zammar wurde Ende 2001 in Marokko festgenommen und an die CIA übergeben, die ihn vermutlich nach Syrien brachte. Dort wurde er 2007 wegen der Mitgliedschaft in der verbotenen Muslimbruderschaft zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Prozesse

Bislang wurden in Deutschland zwei Prozesse gegen vermeintliche Beihelfer der Anschläge geführt: Im Februar 2003 verurteilte das Oberlandesgericht Hamburg den Marokkaner Mounir al-Motasssadeq wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in 246 Fällen zu einer 15-jährigen Haftstrafe. Dieses Urteil wurde im März 2004 durch den Bundesgerichtshof aufgehoben, im Januar 2007 aber erneut bestätigt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde Motassadeqs 2007 ablehnte, stehen ihm in Deutschland keine rechtlichen Möglichkeiten mehr zur Verfügung.

Ebenfalls in Hamburg stand von 2003 bis 2004 der Marokkaner Abdelghani Mzoudi vor Gericht. Das Oberlandesgericht Hamburg sprach ihn schließlich frei. Mzoudi hatte eingeräumt, mit Mohammed Atta befreundet gewesen zu sein, bestritt aber, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben.

In den USA wurde im Mai 2006 der Franzose marokkanischer Herkunft Zacarias Moussaoui nach seinem Geständnis, an der Planung der Anschläge beteiligt zu sein, zu lebenslanger Haft verurteilt.

Aussicht

Die USA bereiten sich derzeit auf den größten Terrorprozess gegen die Drahtzieher der Anschläge vor. So sollen Chalid Scheich Mohammed und seine Helfer Ramzi Binalshibh, Ali Abdel Asis Ali, Mustafa Ahmed al-Hawsawi und Walid bin Attasch angeklagt werden. Im April 2011 entschied die US-Regierung, dass sie sich vor einem Militärtribunal im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba verantworten müssen. Alle fünf Terroristen haben angekündigt, sich schuldig bekennen zu wollen. Beobachter schließen daraus, dass sie schnell zum Tode verurteilt und so zu Märtyrern des islamistischen Kampfes werden wollen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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