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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Der Journalist Michael Jürgs hat ein informatives und empfehlenswertes Sachbuch über das Bundeskriminalamt (BKA), seine Geschichte, seine Struktur und seine Ermittler vorgelegt. Besonders spannend sind jedoch weniger jene Kapitel, in denen er über den aktuellen Stand der Kriminalistik, den Kampf gegen digitale Bankräuber oder über die Verfolgung von Waffenhändlern und Kinderschändern berichtet. Vielmehr wecken vor allem die Geschichten rund um den RAF-Terrorismus die Aufmerksamkeit.

Über die linksextremistischen Terroristen gebe es bereits viele Bücher und Filme, schreibt Jürgs. Weniger hingegen wisse man über die Opfer, wie etwa den Treuhandchef Detlev Rohwedder und seine Frau Hergard. Mit ihr sprach Jürgs über die Pannen des BKA bei der Fahndung nach den Mördern ihres Mannes. Auch der 22-jährige Kommissar Michael Newrzella, das letzte Opfer der RAF, sei "genauso vergessen wie viele andere Beamte, die in Zeiten des deutschen Herbstes im Dienst von Mitgliedern der RAF erschossen wurden".

Ausführlich beschreibt Jürgs die BKA-Legende Horst Herold: Er war von 1971 bis 1981 Präsident des BKA und in dieser Zeit der "Mann, den die RAF hasste". Aus Sicherheitsgründen musste er sein Haus auf dem Gelände einer Bundeswehrkaserne errichten. Dort lebt er seit seiner Pensionierung. Dank der von ihm gegen heftige Widerstände eingeführten Rasterfahndung konnte vielen Terroristen das Handwerk gelegt werden. Er weigerte sich, die RAF-Terroristen als "politische Kämpfer" und folglich als "politische Gefangene" zu betrachten. Für den BKA-Chef waren sie "schlichte Kriminelle". Die Triebkraft für ihren "Entschluss, in den Untergrund zu gehen, um zu morden, war ihr unbändiger, alles ausfüllender Hass auf das Bestehende", erzählt Herold. Das Motiv der selbsternannten Revolutionäre sei es gewesen, das Volk von der "kapitalistischen Unterdrückung" zu befreien. Herold hält entgegen: "Doch das wollte schon deshalb nicht befreit werden, weil es gar nichts von der ihm angeblich widerfahrenen Unterdrückung spürte."

Michael Jürgs:

BKA. Europol. Scotland Yard. Die Jäger des Bösen.

C. Bertelsmann, München 2011; 351 S., 19,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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