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Aus Plenum und Ausschüssen
Jan Eisel
»Für Kinder gibt es kein Tabu«

Kinderkommission

Mit dem Thema "Tod - Tabu für Kinder" hat sich die Kinderkommission des Bundestages vergangenen Mittwoch in einem öffentlichen Expertengespräch beschäftigt. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob Kinder anders trauern als Erwachsene.

"Ich stehe dahinter, dass Kinder zur Beerdigung mitgehen", bekräftigte Jürgen Kurth vom Domino-Zentrum für trauernde Kinder. Einem Kind die Teilnahme zu verweigern, sei nach seiner Erfahrung viel schlimmer als der vermeintliche Schutz, der bezweckt werden soll.

Miriam Haagen, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Psychotherapie, pflichtete dem bei: "Für Kinder gibt es kein Tabu." Kinder erwarteten Antworten auf ihre Fragen. Viel problematischer schätzt sie hingegen das Verhalten des erweiterten Umfeldes ein. So berichteten viele, dass sich in solchen schweren Zeiten der Freundeskreis oft zurückziehe.

Beate Alefeld-Gerges vom Zentrum für trauernde Kinder sagte, in diesen Fällen würde Unterstützung gebraucht, Trauer durch neue Rituale auszudrücken, weil die althergebrachten Rituale heute nicht mehr funktionieren.

Miriam Haagen warnte davor, gegenüber Kleinkindern metaphorisch vom Tod zu sprechen. "Kinder denken sehr konkretistisch", sagte sie. Wird vom "einschlafen" oder von "gegangen" gesprochen, könnte es sein, dass sie nicht mehr wagen einzuschlafen oder hingehen wollen, wo die Mutter oder der Vater angeblich sind. Das lindere traumatische Erfahrungen nicht.

In der Anhörung der Experten stellte sich heraus, dass eine flächendeckende deutschlandweite Versorgung durch Anlaufstellen für die Nachsorge nicht gewährleistet ist. Viele Netzwerke, Selbsthilfegruppen und Ärzte würden zwar Angebote machen, doch seien diese nicht koordiniert. Auch spiele Trauerbewältigung keine besondere Rolle in der pädagogischen Ausbildung, sagte Jürgen Kurth. Viele Lehrer hätten deshalb Schwierigkeiten mit der Bearbeitung des Themas.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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