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GESCHÄFTS- UND INVESTMENTBANKEN TRENNEN?Gastkommentar
Jan Dams
Ein erster Schritt

Seit vor drei Jahren die Investmentbank Lehman Brothers in die Knie ging, war klar: Die Pleite von Großbanken können sich entwickelte Volkswirtschaften nicht leisten, ohne ihr ökonomisches Überleben zu gefährden. Seitdem sucht die Politik nach einer Lösung, wie sie die Geldhäuser im Notfall abwickeln kann, ohne dass es zu Turbulenzen kommt. Nicht noch einmal soll die Finanzbranche den Steuerzahlern mit der Drohung vom Zusammenbruch der Weltwirtschaft Milliardenhilfen abpressen können.

Trivial ist das Vorhaben nicht, wie die Ansätze verschiedener Regierungen zeigen. Deshalb gibt es bis heute auf der Welt auch keine richtig gute Regelung. Selbst das deutsche Bankenrestrukturierungsgesetz, auf das die Bundesregierung so gern verweist, taugt für die Abwicklung vernetzter Großbanken eher wenig.

Wichtigster Ansatzpunkt zur Lösung des Problems ist die Reduktion von Komplexität. Wenn ein international tätiges Kreditinstitut aus steuerlichen Gründen aus mehr als 7.000 eigenständigen Einheiten besteht, ist eine geregelte Abwicklung unmöglich. Kein Mensch überblickt innerhalb kurzer Zeit, welche Bereiche der Steuerzahler im eigenen Interesse schnell schützen muss und welche nicht. Ein erster Schritt aus diesem Dilemma wäre die Einführung des jetzt so heftig diskutierten Trennbankensystems. Damit das funktioniert, müssen Geschäfts- und Investmentbanken nicht nur rechtlich voneinander getrennt werden. Die Möglichkeiten, dass beide Systeme miteinander Geschäfte machen dürfen, sollten darüber hinaus stark eingeschränkt werden - und zwar weltweit. Denn nationale Lösungen würden nur zu einem Standortwettbewerb führen, bei dem betroffene Banken ihren Sitz in weniger regulierte Staaten verlagern.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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