Inhalt

Alexander Heinrich
Hilfe unter Bedingungen

AFGHANISTAN II

Eine klares Signal, aber keine konkreten Zahlen: Zehn Jahre nach der ersten Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg haben Anfang Dezember Vertreter aus 85 Ländern in Bonn über die Zukunft des Landes nach dem Abzug der internationalen Truppen 2014 beraten. Ihre Zusicherung: Die internationale Staatengemeinschaft wird Afghanistan auch über dieses Datum hinaus unterstützen. Die Befriedung des Landes und den politischen Versöhnungsprozess mit den Taliban soll das Land zunehmend selbst in die Hand nehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und UN-Generalssekretär Ban Ki Moon forderten die afghanische Regierung auf, Korruption und Drogenhandel zu bekämpfen. Merkel unterstrich, dass die Schwerpunkte der Hilfe auf die Ausbildung von Sicherheitskräften, den wirtschaftlichen Aufbau und Entwicklungszusammenarbeit verlagern würde. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sicherte deutsche Hilfen mindestens bis 2024 zu. Konkrete Zahlen wurden in Bonn nicht festgelegt. Über Höhe und Zeitraum der finanziellen Zusagen der Staatengemeinschaft soll eine Geberkonferenz im kommenden Jahr in Tokio entscheiden. Im Vorfeld der Konferenz hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai Hilfen in der Größenordnung von fünf Milliarden US-Dollar im Jahr bis 2024 ins Gespräch gebracht. Das Geld benötige Afghanistan für den weiteren Aufbau von Polizei, Armee und staatlichen Institutionen, sagte Karsai in einem Gespräch mit dem Magazin "Der Spiegel".

Überschattet wurde die Konferenz vom Boykott Pakistans, das nach einem Nato-Angriff im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte. Ohne Mitwirkung des Nachbarlandes wird es aus Sicht vieler Beobachter keinen Frieden in Afghanistan geben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag