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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Von 69 Wirtschafts-Nobelpreisträgern stammen 48 aus den USA. So war es auch keine allzu große Überraschung, als auch der diesjährige Preis an die US-Forscher Thomas Sargent und Christopher Sims "für ihre bahnbrechende empirische Forschung zur Ursache und Wirkung in der Makroökonomie" ging. Die beiden Wissenschaftler hatten die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Politik analysiert, insbesondere die Folgen steigender Ölpreise auf die Inflation und die Auswirkungen höherer Zinsen auf die Wirtschaftsleistung. Auf die Frage, was er mit dem Preisgeld mache, antwortete Sims prompt: "Ich werde es eine Weile in bar behalten und dabei über die Verwendung nachdenken". George Akerlof, der im Jahr 2001 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten hatte, und seine Kollegin Kranton veröffentlichten jetzt ihre Studie "Identity Economics" zu diesem spezifisch menschlichen Verhalten.

Mit Hilfe ihrer Identitätsökonomie analysieren die beiden Wissenschaftler Handlungen, die als selbstzerstörerisch gelten können oder zumindest "ökonomisch kaum Sinn zu ergeben scheinen". Als Beispiele führen sie den Jahresumsatz der kosmetischen Chirurgie in den USA, der sich auf 13 Milliarden Dollar belaufe, und Privatspenden an. So hätten die Amerikaner für wohltätige Zwecke im Jahre 2008 rund 300 Milliarden Dollar gespendet.

Die Autoren entwickelten ihre Identitätsökonomie, um die menschliches Handeln am Arbeitsplatz, im Schulalltag und zu Hause besser erforschen zu können. Akerlof und Kranton sind davon überzeugt, dass sich ihre Theorie auch auf demokratische Wahlen übertragen lassen: Wähler stimmten eben nicht nur für den Kandidaten, der ihre wirtschaftlichen Interessen am besten vertritt. Wichtiger seien seine Persönlichkeit, seine Normen und Ideale. Politiker, die die Ideale und Normen der Wähler berücksichtigten, würden selbst dann gewählt, wenn ihre Politik nicht den wirtschaftlichen Interessen der Wähler entsprechen würde, betonen die beiden Autoren in ihrem interessanten und aktuellen Buch.

George A. Akerlof, Rachel E. Kranton:

Identity Economics. Warum wir ganz anders ticken, als die meisten Ökonomen denken.

Carl Hanser Verlag,

München 2011; 192 S., 19,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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