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Gastkommentar
Peter Thelen
Falsche Ermunterung

Viele der Argumente der Befürworter einer Verschiebung der Rente mit 67 stimmen. Es ist wahr, dass immer noch viel zu viele vor 65 in Pension gehen. Sehr viele Unternehmen haben sich noch nicht auf die Alterung ihrer Belegschaften eingestellt. Wie sich dadurch die Arbeitsbedingungen verändern müssen, ist immer noch zu oft nur Gegenstand von Sonntagsreden. Dies gilt auch für die Wertschätzung Älterer. So manch ein Endfünfziger beispielsweise hat schon die Erfahrung machen müssen, dass ansonsten ganz sauber tickende Kollegen ihn aufforderten, doch Altersteilzeit zu nehmen, nur weil er es gewagt hatte, Kritik zu äußern. Hier bleibt noch viel zu tun.

Doch würde eine Verschiebung auch alle die entmutigen, die sich auf den Weg gemacht haben, die Erwerbsgesellschaft zu Gunsten der Älteren zu verändern, und zugleich diejenigen ermuntern, die nach wie vor ihre Personalprobleme am liebsten über Vorruhestandsregelungen lösen würden. Frei nach der Devise "einmal verschoben immer verschoben".

Genau das aber darf nicht passieren. Die Rente mit 67 ist wichtig, nicht so sehr wegen der Rentenversicherung, die nur um 0,5 Beitragspunkte entlastet wird, sondern weil Wirtschaftswachstum in alternden und schrumpfenden Bevölkerungen nur über längere Erwerbszeiten und höhere Erwerbsbeteiligung möglich bleibt.

Und Hand aufs Herz: Um einen Monat soll die Altersgrenze ab den kommenden Jahr jährlich steigen, ab 2022 wird das Tempo auf zwei Monate pro Jahr erhöht. Es bleibt also noch Zeit, die Reißleine zu ziehen, sollte sich wirklich zeigen, dass die sozialen Härten einer steigenden Altersgrenze zu groß sind.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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