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AUFGEKEHRT
Monika Pilath
Made in Germany

Auch das noch! Brüssel will unser Gütesiegel kassieren: "Made in Germany" soll es nicht mehr heißen, wenn die Waren nicht zu mindestens 45 Prozent in Deutschland gefertigt werden. Die Spaßbremsen der EU-Kommission kennen wirklich kein Pardon und haben erst recht keinen Sinn für Mythos und Marketing.

EU-Zollkommissar Algirdas Semeta ruderte zwar gleich zurück, als die ersten Hinweise zum "Made-in-Germany"-Aus hierzulande für Aufregung sorgten. Alles nur ein Missverständis, versuchte Semeta zu beschwichtigen. Er wolle "Kontakt mit Minister Rösler aufnehmen, um die Lage zu erläutern", ließ der Litauer mitteilen.

Kann uns das beruhigen? Wohl kaum, wenn ausgerechnet der Chef einer Partei, die sich gerade selbst abschafft, für den Erhalt des Markenzeichens sorgen soll. Vielleicht ist Semeta ja ein ganz Ausgebuffter und will "MiG" elegant über FDP-Bande entsorgen. Denn auch in Brüssel hat sich herumgesprochen, dass nur drei Prozent rauskommen, wenn Philipp Rösler zu liefern verspricht. Das reicht bereits heute nicht für "Made in Germany". Dafür müssten es schon zehn Prozent heimische Endfertigung sein.

Der Begriff Endfertigung bringt uns im Zusammenhang mit der FDP aber vom Thema ab. Freunde gepflegter Verschwörungstheorien sehen in der Causa Gütesiegel ohnehin mal wieder die Briten am Werk. Die hatten im Jahr 1887 per Gesetz "Made in Germany" als Warnsignal für billige Massenware aus Deutschland eingeführt, um ihre Wirtschaft zu schützen. Ein Schuss ins eigene Knie, wie sich längst herausgestellt hat. Ist es so unwahrscheinlich, dass Premier Cameron nun das lästige Siegel beseitigen will? Niemand käme doch auf die Idee, dass der EU-Skeptiker einen solchen Schritt über Brüssel versuchen könnte. Man sollte mal prüfen, in welchen Feriendomizilen britischer Freunde Semeta in jüngster Zeit kostenfrei geurlaubt hat.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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