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ORTSTERMIN: AUSSTELLUNG ÜBER ANNE FRANK
Götz Hausding
»Ein Mädchen schreibt Geschichte«

Als Anne Frank an ihrem 13. Geburtstag anfing, Tagebuch zu schreiben, war sie selbst noch skeptisch. "Nicht nur, dass ich noch nie geschrieben habe, sondern ich denke auch, dass sich später keiner, weder ich noch ein anderer für die Herzensergüsse eines 13-jährigen Schulmädchens interessieren wird", notierte sie wenig später am 20. Juni 1942. Sie irrte sich: Das Tagebuch der Anne Frank, eines jüdisches Mädchens, geboren 1929 in Frankfurt am Main und 1934 mit ihrer Familie nach Amsterdam emigriert, das sich ab dem 6. Juli 1942 bis zu ihrer Verhaftung am 4. August 1944 vor den Nationalsozialisten versteckt hielt, erlangte nach dem Krieg Weltruhm.

"Das Schicksal der Anne Frank lässt niemanden unberührt", sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) während der Eröffnung der Ausstellung "Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte" am vergangenen Donnerstag im Paul-Löbe-Haus des Bundestags. "Erinnerungsarbeit kann helfen, den Blick zu schärfen für heutige Gefahren", machte er zugleich deutlich und forderte ein verstärktes Engagement des Einzelnen. Der Kampf gegen Rechtsextremismus könne nicht nur "von denen da oben" geführt werden. Er sei "Aufgabe aller anständigen Bürger".

Einer der Macher der Wanderausstellung ist Thomas Heppener, Direktor des Anne Frank Zentrums Berlin. Aus seiner Sicht ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nach wie vor wichtig. "70 Jahre nach der Wannsee-Konferenz zeigen die aktuellen Ereignisse in Deutschland, dass die nationalsozialistische Ideologie immer noch Quelle für Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ist", betont er. Das Konzept der Ausstellung, das gemeinsam mit dem Anne Frank Haus in Amsterdam erarbeitet wurde, sieht vor, dass Jugendliche dazu ausgebildet werden, andere Jugendliche durch die Ausstellung zu führen. "Die Jugendlichen sollen sich mit Fragen des Erwachsenwerdens, auf die schon Anne Frank Antworten gesucht hat, auseinandersetzen", sagt Heppener.

In der Ausstellung selbst erzählen große Bildwände in sechs Abschnitten vom Leben der Anne Frank. Von einer glücklichen Kindheit und der schweren Zeit im Versteck bis hin zu den letzen schrecklichen sieben Monaten in den Vernichtungslagern. Ihre persönliche Geschichte wird verbunden mit der Geschichte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus, des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges. Kernstück der Ausstellung ist der Gedankenraum, der sich der langen Zeit im Versteck widmet. Mit der Ausstellung solle eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen werden, sagt Heppner. "Ziel ist es, dass Menschen sich einbringen und sich engagieren." Denn wie schrieb doch Anne Frank in ihrem Tagebuch: "Wie herrlich ist es, dass niemand auch nur eine einzige Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt zu verändern."

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 16. Februar nach vorheriger Anmeldung jeweils montags bis donnerstags ab 11 Uhr und ab14 Uhr sowie freitags ab 11 Uhr. Besucher können sich telefonisch (030/227-38883) oder per E-Mail (info-ausstellungen-plh@bundestag.de) anmelden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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