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Palamentarisches Profil
Verena Renneberg
Zwischen Rhein und Spree: Martin Dörmann

Ein "Kölscher Jong" sei er auf keinen Fall, stellt Martin Dörmann ungefragt klar. Aber Kölner sei er sehr wohl. Auf jeden Fall spricht der hochgewachsene Mann nahezu reines Hochdeutsch. Gebürtig ist der SPD-Wirtschaftsexperte Westfale, aus Herten bei Recklinghausen. Als er vier Jahre alt war, zog seine Familie mit ihm in die Rheinmetropole. Bereits als Schüler trat er 1979 der SPD bei, für die er seit 2002 im Bundestag sitzt. Seit sieben Jahren ist Martin Dörmann Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie und im Unterausschuss für Neue Medien.

Mit Blick auf den aktuellen Jahreswirtschaftsbericht, den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am vergangenen Donnerstag vorgelegt hat, analysiert Dörmann eine "Passivität der Regierung", die "den Herausforderungen der wirtschaftlichen Entwicklung nicht gerecht" werde. Er fordert einen "zusätzlichen Breitbandausbau", um "Impulse für die Binnenkonjunktur zu setzen". Für den Sozialdemokraten und Kommunikationsexperten ist Zugang zu Breitbandinternet für jedermann eine zentrale Forderung. Aber auch ein gesetzlicher Mindestlohn könne die Konjunktur ankurbeln, ist Dörmann überzeugt. Von der Regierung fordert er insgesamt mehr Investitionen. Vor allem auch "mehr Bildungsinvestitionen" seien nötig, kritisiert er den Jahreswirtschaftsbericht weiter.

Obwohl die rheinische Medienstadt seine Heimat ist, hatte sich der Jurist vor seinem Bundestagsmandat nicht besonders mit Kommunikation befasst. Erst 2005 sei sein Fraktionskollege Hubertus Heil zu ihm gekommen, erinnert sich Dörmann: "Er wusste, dass ich in den Wirtschaftsausschuss wollte, und fragte mich, ob ich nicht seinen Platz einnehmen wollte, mit dem Schwerpunkt Telekommunikation." Heil habe das Amt niedergelegt, "weil seine Frau in einem Unternehmen der Branche tätig war".

Seitdem engagierte sich Dörmann beispielsweise für die Haushaltsabgabe als Ersatz für die bisherige geräteabhängige GEZ-Gebühr, die 2013 deutschlandweit eingeführt wird. Dörmann will auch die Strukturen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten reformieren, um Staatsferne und Unabhängigkeit zu stärken. Gleichzeitig möchte er "Wetten, dass..?" reformiert sehen und das Niveau der Privatsender heben.

2012 ist für den Kölner ein Jahr der Jubiläen. Am letzten Junitag wird er seinen 50. Geburtstag begehen und im Oktober darf er seine zehnjährige Zugehörigkeit zum Bundestag feiern: Zeit für ein Resümee. "Wenn ich heute noch wie früher arbeiten würde, dann würde ich sicher nicht voran kommen", sagt Dörmann. Die Menge an Arbeit habe zugenommen, immer mehr Funktionen und Aufgaben hätten sich angehäuft. Seit mehr als sechs Jahren ist er Mitglied des Fraktionsvorstands, seit 2009 in der Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft". Zudem fungiert der Abgeordnete im Wirtschaftsausschuss als Berichterstatter für "Telekommunikation" und "Raumfahrt" seiner Partei und ist ihr medienpolitischer Sprecher. "Da bleibt wenig Zeit für die einzelnen Bereiche." Dennoch mache ihm die Arbeit Spaß. Allerdings sei das Schönste an jeder Sitzungswoche, "nach Hause zu kommen". "Ich denke, da geht es jedem Abgeordneten, der Familie hat, genauso." Zuhause, das ist für den direkt gewählten Abgeordneten der Wahlkreis 94, der die Kölner Stadtbezirke Porz, Kalk sowie die nördliche Innenstadt umfasst.

In seinen Urlauben unternimmt Dörmann gern Reisen mit seiner Frau, nach Mexiko oder Kuba zum Beispiel. Zuletzt ging es nach Vietnam. Und natürlich widmet sich der Kölner gern dem politischen Karneval. 2009 handelte er sich allerdings Proteste ein, als er dem damaligen SPD-Chef Franz Müntefering eine Fotocollage besonderer Art überreichte. Sie zeigte Müntefering und die damaligen SPD-Minister Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück im Ornat der Porzer Tollitäten. Der Festausschuss Porzer Karneval protestierte gegen die "politische Vereinnahmung" und die Zweckentfremdung des offiziellen Trifoliums-Fotos; die CDU schimpfte: "So etwas tut man nicht." Doch die Genossen in Porz hielten weitgehend einig zu Dörmann. Und Kölns SPD-Vorsitzender Jochen Ott diktierte der Presse: "Das war doch eine geile Idee von Martin Dörmann."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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