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Karl-Otto Sattler
Mehr Freiheit für Freizeitkapitäne gefordert

WASSERTOURISMUS Liberalisierung des Führerscheins bei Sportbooten zwischen Experten umstritten

Union und FDP wollen mit einer Liberalisierung des Führerscheinerwerbs bei Sportbooten die Freizeitschiffahrt attraktiver machen und den Wassertourismus fördern. Über Chancen und Risiken des Antrags der Koalition (17/79937) diskutierten Abgeordnete und Sachverständige bei einer Anhörung des Verkehrsausschusses am vergangenen Mittwoch. Die Regierungskoalition will Führerscheine erst bei Booten mit einer Mindeststärke von 15 PS an zur Pflicht machen, derzeit liegt diese Schwelle bei fünf PS. Zudem soll die Fläche jener Gewässer ausgedehnt werden, bei denen die Charterregelung gilt: Dort können Touristen nach einer mehrstündigen Einweisung eine Charterbescheinigung erlangen, die in diesen Zonen das Bootsfahren erlaubt.

Schützenhilfe für den Antrag leisteten ADAC-Sprecher Steffen Häbich und Jürgen Tracht vom Bundesverband Wassersportwirtschaft. Eine Liberalisierung des Führerscheinerwerbs sei machbar, "ohne dass dies zu Lasten der Sicherheit geht", sagte Häbich. Die Ausbildung müsse stärker praktische Fähigkeiten betonen. Häbich und Tracht verwiesen auf positive Erfahrungen in anderen Ländern, so handhabten etwa nordische Staaten, Großbritannien und Holland den Führerscheinerwerb weniger rigide oder verlangten gar keinen Befähigungsnachweis.

Tracht sieht Anlass zur Sorge, dass aus demografischen Gründen die Zahl der Freizeitkapitäne sinkt. Diesem Trend zu Lasten des Wassertourismus müsse man entgegentreten, sagte er. BUND-Vertreter Winfried Lücking hingegen lehnte eine Ausweitung des Wassertourismus wegen des Umweltschutzes ab: Die Schadstoffe der Sportboote schädigten Wasserqualität und Pflanzen, zudem störe der Lärm die Vogelbrut und Passanten in Ufernähe. Wie Lücking und Gerhard Philipp Süß vom Deutschen Segler-Verband verlangte auch Bernd Roeder eine Beibehaltung der Fünf-PS-Schwelle. Werde der Führerscheinerwerb erst von 15 PS an obligatorisch, führe dies zu einer Erhöhung der Unfallgefahren, mahnte der Sprecher des Olympischen Sportbunds. Man müsse auch an die Sicherheit von Kanus und Ruderbooten denken.

Hans-Joachim Werner von der Wasserschutzpolizei Brandenburg warb für einen Kompromiss: Pflicht solle der Führerschein von zehn PS an werden. Zwar seien in Brandenburg jährlich im Schnitt 25 Unfälle zu verzeichnen, doch sei die Bilanz dieser Regelung "insgesamt positiv".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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