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IST DIE ENDLAGERSUCHE AUF GUTEM WEG?
Michael Bauchmüller
Begründete Hoffnung

Ergebnisoffen - das war 35 Jahre lang das Schlüsselwort für die Endlagerung. 35 Jahre lang kaprizierten sich Politik und Industrie auf den Standort Gorleben, sie planten, gruben, erkundeten. Ganz nebenbei schufen sie schon die Vorbereitungen, den Salzstock dereinst als Endlager zu nutzen - alles angeblich mit ganz offenem Ergebnis. Dass so viel Offenheit irgendwann kaum noch einer glauben wollte, nimmt wenig Wunder.

Diesmal liegen die Dinge anders. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik arbeiten Bund und Länder gemeinsam an einem Verfahren, mit dem sie erneut auf die Suche gehen können -und das diesmal womöglich wirklich ergebnisoffen. Die ersten Entwürfe für ein "Standortauswahlgesetz" lassen diese Hoffnung durchaus zu. So sollen erstmals zuerst die Kriterien für ein Endlager festgelegt werden, ehe potenzielle Standorte erwählt und untersucht werden. In Gorleben war es genau umgekehrt. Erstmals gibt es auch eine förmliche Beteiligung der Öffentlichkeit in allen Stufen des Verfahrens, die das Wendland so nie erlebte. Bundestag und Bundesrat müssen jedem einzelnen Verfahrensschritt zustimmen. Auch das wäre neu: Es sichert jene Legitimation, die bisher fehlte.

All das garantiert nicht, dass am Ende des Verfahrens eine Auswahl steht, die breit akzeptiert wird. Dazu muss die Politik jenes Vertrauen in der Causa Atommüll zurückgewinnen, das sie mit der Mär von der Ergebnisoffenheit verspielt hat. Dazu gehört, in Gorleben nicht weiter neue Fakten zu schaffen, sondern Bau und Erkundung einstweilen ruhen zu lassen. Dazu gehört aber vor allem ein sauberes, transparentes, eben nachvollziehbares Verfahren. Denn eins bleibt von 35 Jahren "ergebnisoffener" Suche übrig: die Lehre, wie es ganz bestimmt nicht geht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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