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Clemens Bomsdorf
Kurz notiert

KOPENHAGEN

Internationaler als Ludovic Pivetal kann ein Mensch kaum sein. 1978 als Sohn einer Portugiesin und eines Vaters aus Martinique in Paris geboren, hat er in Frankreich und Italien gelebt, bevor er mit seiner spanischen Freundin nach Dänemark zog. "Ich lerne gerne andere, so verschiedene Länder kennen und kann mir gut vorstellen, in ein paar Jahren wieder weiter zu ziehen", sagt er. Nach Dänemark zog Ludovic der Arbeit wegen. "In Italien lebte es sich prächtig, aber der Lohn war verhältnismäßig schlecht und nach dem Ausbruch der Krise verschlechterten sich die Aussichten zunehmend, so dass ich mich auf eine Marketingstelle in Dänemark bewarb." Die hohen Lebenshaltungskosten und Steuern in seiner neuen Heimat schrecken ihn nicht ab: "Wer sich darüber beschwert, sollte schauen, was er am Monatsende übrig hat. Das ist immer noch viel und für die Steuern bekommt man auch etwas - zum Beispiel eine gut funktionierende Bürokratie". Dass alles so gut organisiert ist - vom öffentlichen Nahverkehr bis zu den Behörden - freut ihn an seiner derzeitigen Heimat am meisten. "Ich mag nicht, wenn Leute Vorurteile gegen Italien haben, aber wie auch in Frankreich ist das Staatswesen dort längst nicht so effizient", findet Pivetal.

Dagegen werde man im Süden ganz anders aufgenommen: "Die Dänen haben wenig Interesse, neue Leute kennenzulernen. Meine Freunde hier sind ebenfalls Ausländer, mir fehlt der offene, herzliche Umgang miteinander, der Plausch auf der Straße. Nicht einmal die Nachbarn sagen Hallo zueinander", erzählt er. Auch das Essen ließe ein wenig zu wünschen übrig. Besonders in Italien sei das ganz anders gewesen.

Dorthin hatte es Pivetal aus Neugier gezogen, er war damals mehrfach bei Freunden in Rom gewesen und hatte das Land schätzen gelernt. Deshalb bewarb er sich dort und zog im Sommer 2007 nach Rom, nach Kopenhagen ging es exakt zwei Jahre später.

Pivetal kommt aus einem der berüchtigten Pariser banlieues (Vororte). "Ich habe vier Schwestern, komme aus einer typischen Migrantenfamilie und gehöre sicherlich zu jenen zehn Prozent, die von dort stammen, die am weitesten gekommen sind. Viele studieren nicht einmal. Weil wir nicht in die oberen französischen Schichten hineingeboren werden, müssen wir uns mehr anstrengen", berichtet er. Pivetal studierte an einer privaten Hochschule Wirtschaft - das Studium hat er sich selbst finanziert.

Während seiner Jahre im Ausland hat Pivetal Europa gut kennengelernt. "Anfangs war ich sehr positiv, was die EU angeht, heutzutage bin ich immer noch ein Freund des Staatenbundes, meine aber, dass stärker diskutiert werden muss, wie die Integration ablaufen soll."

Der Autor ist freier Nordeuropa-korrespondent in Kopenhagen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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