Inhalt

AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Wer braucht schon Banken?!

Der moderne Mensch ist hilflos in Krisenzeiten. Die alten Fertigkeiten und Überlebensstrategien, die seine Vorfahren noch im Blut hatten, sind ihm längst abhanden gekommen. Und so irrt der Mensch von heute angsterfüllt durch eine bedrohliche Welt. An jeder Ecke lauern dunkle Gestalten: Jongleure und Zocker, die trotz aller Börsencrashs unverdrossen gegen Währungen und Nationen wetten und im Stundenrhythmus obskure Produkte ersinnen. Dazwischen tummeln sich Finanzminister, die ans Geld der Bürger wollen, um das nächste milliardenschwere Hilfspaket für die dauerklammen Hellenen zu schnüren. In einer solchen Welt hilft auch kein Bausparvertrag und kein Termingeschäft mit vergammelten Schweinehälften.

Zurück zu den Wurzeln heißt deshalb die Devise: Girokonto kündigen! Sparstrumpf unters Kopfkissen! EC-Karte zerschnipseln! Wer braucht schon Banken?! Sehr früh erkannt haben das zum Beispiel Christian und Bettina aus dem beschaulichen Großburgwedel in Niedersachsen. Hier auf dem Land verlassen sich die Menschen auf die überlieferten alten Techniken. So setzt das Paar konsequent auf den schon fast vergessenen Bargeldverkehr. Kredit fürs Häuschen? Gerne - aber nur unter guten Freunden. Urlaube? Werden nicht mit der Kreditkarte bezahlt - sondern bar oder von guten Freunden. Geld stinkt bekanntlich nicht, also kann man es auch mit den Händen anfassen. Nur Bares ist Wahres - das weiß auf dem Dorf jede Oma. Die Mutter von Bettina wusste es auch noch und hat die alte Kunst des Bargeldverkehrs an ihren Schwiegersohn weitergegeben. Vor allem zu Weihnachten zelebriert die Familie das Brauchtum ausgiebig und gerne. Wenn unterm Baum ein paar größere Scheine über den Gabentisch wandern, dann ist das für alle nicht nur ein besonders besinnlicher Moment - es hilft auch in Krisenzeiten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag