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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Worauf hat ein Feldjäger der Bundeswehr, der in Kunduz oder Faizabad seinen Dienst leistet, keine Lust? Bei seinem nächsten Einsatz will er seine Zeit nicht damit verbringen, in Mazar-e-Sharif Autos anzuhalten um dem Fahrern zu sagen: "Das war nicht in Ordnung, du bist zehn Kilometer zu schnell gefahren."

Ernest Hemingway wollte es wissen. Der junge Lew Tolstoj hat gekämpft und geschrieben. Auch Sebastian Christ aus Frankenberg wollte den Krieg kennen lernen. Es genügte ihm nicht, über die Bilder im Fernsehen zu staunen oder sich bisweilen zu ärgern. Deshalb ging er im Jahr 2010 nach Afghanistan. Seit zehn Jahren sind Bundeswehrsoldaten am Hindukusch stationiert. Der 30-jährige Journalist, mit zwei Preisen ausgezeichnet, besuchte als "embedded journalist" die Truppe.

Man solle keinem trauen, der über Afghanistan berichtet, die Meldungen in den Abendnachrichten könne man ohnehin vergessen - so lautet Christs erster Rat an seine Leser. "In diesem Buch können Sie etwas über die sinnliche Wahrheit erfahren, die in diesem Konflikt steckt". Außerdem empfiehlt er: "Es lohnt sich, genau zu lesen."

Legen die Leser nach dieser überheblichen Einleitung, in der der Autor sein eigenes Werk preist, das Buch nicht aus der Hand, werden sie dafür belohnt mit einer guten, stellenweise sogar sehr gut geschriebenen Reportage. Dem vom Pressestab der Bundeswehr-Festungen in Afghanistan geradezu mütterlich umsorgten Journalisten ist es gelungen, die Menschen um ihn herum zu beschreiben. Auf diese Weise vermittelt er den Lesern die Stimmung vor Ort. Fast glaubt man, den afghanischen Sand zwischen den Zähnen zu spüren. Wie angespannt sehen die Soldaten aus, bevor sie das Feldlager verlassen, um später in ein Gefecht mit den Taliban zu geraten? Welches Lied hören sie zum Zapfenstreich? Dort gibt es sogar einen Tanzlehrer für Rumba und Tango, der den ISAF-Soldaten helfen soll, sich besser zu entspannen. Solche Geschichten bekommt man in den Abendnachrichten nicht erzählt.

Sebastian Christ:

Das Knurren der Panzer im Frühling. Ein Kriegsbericht aus Afghanistan.

Pattloch Verlag, München 2011; 208 S. 16,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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