Inhalt

Bernard Bode
Kurz notiert

Richard von Weizsäcker (1984 bis 1994)

Weizsäcker, der im Mai 1984 Bundespräsident wurde, hielt die berühmteste Rede seiner Amtszeit am 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges. Vor dem Bundestag sprach er vom "Tag der Befreiung" und vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Weizsäcker wurde 1969 Mitglied des Bundestages. Zwischen 1981 und 1984 war er Regierender Bürgermeister von Berlin. 1989 wurde Weizsäcker ohne Gegenkandidat als Staatsoberhaupt wiedergewählt und war seit dem 3. Oktober 1990 Bundespräsident aller Deutschen.

Roman Herzog (1994 bis 1999)

Als der Präsident mit der "Ruck"-Rede gilt Herzog, der als Nachfolger Weizsäckers am 23. Mai 1994 gewählt wurde. Herzog erklärte 1997 in seiner Berliner Rede, dass angesichts verkrusteter Strukturen ein "Ruck" durch Deutschland gehen müsse, um ein seiner Ansicht nach weitverbreitetes Gefühl der Stagnation zu überwinden. Herzog, 1934 geboren, CDU-Mitglied seit 1970, wurde 1983 zum Mitglied des Bundesverfassungsgerichts gewählt und war seit 1987 dessen Vorsitzender. 1996 führte Herzog in Deutschland den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein.

Johannes Rau (1999 bis 2004)

Rau, der am 16. Januar 1931 geboren wurde, trat 1958 in die SPD ein und wurde im gleichen Jahr in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt. 1978 wurde Rau Ministerpräsident des Landes. Unter seiner Führung konnte die NRW-SPD dreimal die absolute Mehrheit verteidigen. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte ein Besuch in Israel, bei dem er vor der Knesset in deutscher Sprache das israelische Volk um Vergebung für die Verbrechen des Nationalsozialismus bat. Rau erlag 2006 einer schweren Krankheit - kurz nach seinem 75. Geburtstag.

Horst Köhler (2004 bis 2010)

Die politische Klasse hat sich bisweilen schwergetan mit ihm, dafür war er bei der Bevölkerung umso beliebter. Als siebtes von acht Kindern einer deutschen Bauernfamilie 1943 in Polen geboren, siedelte Köhler mit seiner Familie bald darauf in den Westen Deutschlands über. 1976 trat er in den Bundesdienst ein und arbeitete sich bis zum Direktor des Internationalen Währungsfonds hinauf. 2004 als Kandidat von Union und FDP zum Bundespräsidenten gewählt, wurde er 2009 im Amt bestätigt. Am 31. Mai 2010 reichte er überraschend seinen Rücktritt ein.

Christian Wulff (2010 bis Februar 2012)

Als er ins Schloss Bellevue einzog, war der 51-jährige der jüngste Bundespräsident Deutschlands. Als er es wieder verließ, hatte der Jurist die kürzeste Amtszeit im höchsten Staatsamt absolviert. In der Affäre um einen günstigen Privatkredit und kostenlose Urlaube mussten die Deutschen den Eindruck bekommen, dass eine für Bundespräsidenten unziemliche Nähe zu Managern und Unternehmern bestand. Nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung von Wulffs Immunität beantragt hatte, trat er am 17. Februar zurück.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag