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Verena Renneberg
Kurz notiert

»Die Vereinigten Staaten von Europa«

In 100 Jahren, da ist Volker Beck überzeugt, "wird man über deutsch-französische Beziehungen nur noch im Geschichtsunterricht sprechen." Die neue Bahnhochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-Köln-Paris wird eröffnet werden und Arte wird dazu ein Feature ausstrahlen, erwartet der Grünen-Abgeordnete. In den "Vereinigten Staaten von Europa"werden sich die Bürger 2112 schon längst vom "Nationalpatriotismus des 19. und 20. Jahrhunderts" verabschiedet und eine "europäische Identität" entwickelt haben, "die auf der Universalität der Menschenrechte gründet".

Für den Grünen-Politiker ist es selbstverständlich, dass es im Europa des nächsten Jahrhunderts keine Atomkraft mehr geben wird. Allerdings, so schätzt Volker Beck die Situation in der Zukunft ein, werden im "heutigen Staatsgebiet von Deutschland und Frankreich" Flüchtlinge leben. Längst werden die Europäer nicht mehr tatenlos dabei zusehen, wie sie ertrinken oder verdursten auf ihrem Weg nach Europa. Es werden laut Beck Klimaflüchtlinge sein, "die wegen unserer heutigen Versäumnisse im Klimaschutz ihre Lebensgrundlagen verloren und fliehen mussten".

»Drei im Baguette«

Der SPD-Abgeordnete Günter Gloser hat die Vision, dass seine Heimatstadt Nürnberg und die langjährige Partnerstadt Nizza in 100 Jahren den 87. Geburtstag der "kulinarischen Botschaft 'Drei im Baguette'" begehen. Mit "Drei", erklärt er für Nicht-Franken, sind natürlich die original Nürnberger Rostbratwürste gemeint. McDonald's werde es dagegen weit und breit nicht mehr geben. Desweiteren, da ist Gloser überzeugt, wird der deutsch-fanzösische Kulturkanal Arte in beiden Ländern marktführend sein - allein schon, weil ARD und ZDF ihr "Talkshowangebot auf acht Sendungen pro Tag erweitert haben" werden. Volksmusik soll in 100 Jahren beim Musiksender Viva dominieren. Lufthansa und Air France gehen in einem Unternehmen auf, ebenso die Deutsche Bahn und ihr französisches Pendant, die SNCF. Außerdem sind 2112 deutsch-französische Elektromobile "der Renner" und alle Kernkraftwerke abgeschaltet.

Neben Wirtschaftskonzernen verschmelzen auch die Regierungen; in seiner Vision unterhalten beide Staaten weltweit nur noch gemeinsame Botschaften und die französische Präsidentin wird erneut Vorsitzende der "deutsch-französischen Regierungsmannschaft" sein.

»Die große Endlager-Katastrophe«

Im Jahre 2112 werde Europa, das prophezeit Ulrich Maurer, vor der Frage stehen "wie man die europäischen Endlager besser isolieren kann", um nicht, wie bereits 2086 vor der "großen Endlager-Katastrophe von Europa zu stehen". Für den Abgeordneten der Linksfraktion werden in 100 Jahren Energiefragen eindeutig im Fokus Deutschlands und Frankreichs stehen: "Wichtigste Aufgabe der europäischen Wählerinnen und Wähler wird die Entscheidung sein, was man mit der Überproduktion von Energie durch erneuerbare Ressourcen macht." 2112 werde es aber kein eigenständiges Deutschland oder Frankreich mehr geben - und auch kein Europäisches Parlament: Es wurde "via Online-Volksabstimmung" aufgelöst und die "europäischen Wählerinnen und Wähler der ehemals 32 Staaten" werden "via Cybernet über ihre Gesetze abstimmen", da ist sich Maurer sicher.

Infolge einer Finanzkrise 2108 hätten sich "sich die ehemaligen Staatsoberhäupter aus Deutschland und Frankreich" mit ihrem Vorschlag durchgesetzt, "endlich alle Banken zu vergesellschaften", anschließend folge eine Währungsreform sowie die Einführung einer Reichensteuer und der Rente mit 58.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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