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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Der britische Journalist Misha Glenny hat drei große Bedrohungen im Internet ausgemacht. An erster Stelle steht die Cyberkriminalität mit einer kleinen Täterelite an der Spitze, die Herrschaftswissen über eine Technologie besitze, die längst unser aller Leben steuert und bestimmt. Der international bekannte Experte für organisierte Kriminalität, der für sein Buch auf dem globalen Schwarzmarkt für Kreditkartendaten recherchierte, stellt dar, wie einfallsreich und schnell die Unterwelt von Brasilien über Indien bis in die Ukraine auf technische Innovationen reagiert. Problemlos überwinde sie Grenzen und raube Internet-Nutzer aus. Mit Hilfe von Fallstudien beschreibt Glenny detailliert und spannend die Methoden der Cyberkriminellen und wie man sich dagegen schützen kann.

An zweiter Stelle steht für Glenny die Industriespionage: Nach dem Bericht eines US-Telekommunikationskonzerns entfallen 34 Prozent aller Hacker-Angriffe auf dieses Delikt. Da ausgespähte Unternehmen die Verluste aber lieber vertuschen als einen Imageschaden zu erleiden, dürfte die Zahl der Spionagefälle weitaus höher liegen.

Dies gilt auch für die dritten Gefahr aus dem Netz: die Cyber-Kriegführung. In immer kürzeren Intervallen eignen sich Militär, Privatwirtschaft, Polizei und Geheimdienste die Kenntnisse von PC-Spezialisten an. Erst Anfang Juni 2012 wurde bekannt, dass US-Präsident George W. Bush 2006 den Befehl zum Start der Geheimoperation "Olympische Spiele" gab: einen Cyberangriff gegen den Iran und das sein Nuklearprogramm. Der Einsatz des Computerwurms Stuxnet, des "bis heute raffiniertesten Virus der Welt", seht für den Beginn einer neue Ära. Dieses Schadprogramm, das 1.000 iranische Uranzentrifugen zerstörte, war so kompliziert, das seine Entwicklung nach Schätzungen der Fachwelt mehrere Jahre in Anspruch genommen haben muss. Misha Glenny zeigt sich zumindest überzeugt, dass die Programmierer von Stuxnet auf die Kreativität tausender Hacker zurückgegriffen haben müssen.

Misha Glenny:

Cyber Crime. Kriminalität und Krieg im digitalen Zeitalter.

Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012; 352 S., 19,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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