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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Muss der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU), tatsächlich wissen, wo Daten zwischengelagert werden sollen, wenn "das Internet volll ist"? Für seine Antwort, die betroffenen Unternehmen wie beispielsweise Google hätten dafür schon ein Konzept entwickelt, erntet Neumann von den beiden Internet-Experten Markus Beckedahl und Falk Lüke nur Spott. Neumann sei nicht der erste und vermutlich auch nicht der letzte Politiker, der sich beim Thema Internet disqualifiziere. Auch über die NDR-Journalistin, die die "Nonsens-Frage" in einem Interview mit Neumann gestellt hatte, machen sie sich lustig.

Der belehrende und herablassende Ton, den die beiden Autoren anschlagen, zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Buch "Die digitale Gesellschaft". Sie inszenieren ihr Buch als Kampf fortschrittlicher Blogger, die eine direkte elektronische Demokratie fordern und als "Aktivisten" die Netzgemeinschaft gegen eine altmodische und technologiefremde "Politikerkaste" in den Kampf führen. Deren Vertreter hätten Angst vor dem Netz, weil sie es nicht verstünden und einen Kontrollverlust befürchteten. Besonders kritisch beurteilen sie die Debatte um eine Neufassung des Urheberrechts. So überrascht es dann auch nicht, dass sie das gute Abschneiden der Piratenpartei bei den vergangenen Landtagswahlen lediglich mit dem Protest der "digital natives" gegenüber der Internet-Politik der etablierten Parteien erklären wollen.

Dass es den Autoren nicht an Selbstbewusstsein fehlt, zeigt sich auch in ihrem Eigenlob: So empfiehlt sich Beckedahl als einer der "wenigen deutschen Aktivisten und Wissenschaftler, die sich im Koordinierungskreis rund um den mehrjährigen Prozess des UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft vernetzt" hätten. Angesichts solch formulierter Expertise liefern Beckedahl und Lüke aber vergleichweise oberflächliche Texte. Vielleicht haben sie aber auch lediglich den Unterschied zwischen einem Blog und einem Buch nicht verstanden. Ob sie damit außerhalb der Netzgemeinschaft punkten können, ist zumindest fraglich.

Markus Beckedahl, Falk Lüke:

Die digitale Gesellschaft.

Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2012; 219 S., 14,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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