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VOR 55 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Unabhängig für Stabilität

1. August 1957: Bundesbank nimmt Arbeit auf

In Zeiten der Krise ist sie lauter als sonst: die Bundesbank. Ihr Präsident Jens Weidmann forderte jüngst strengere Regeln für Banken, die sich bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen, kritisierte die Politik für Pläne zur Schaffung einer Bankenunion und rügte das Krisenmanagement der europäischen Regierungen. Gerade in diesen Tagen wird deutlich, dass sich die Herausforderungen der Bundesbank verändert haben - ihr Auftrag aber ist derselbe geblieben. Als "Hüterin der Währung" soll sie ein stabiles Preisniveau und Bankensystem garantieren. Seit nunmehr 55 Jahren, heute als Teil des Eurosystems, widmet sie sich dieser Aufgabe: Am 1. August 1957 trat das Bundesbankgesetz in Kraft, mit dem die Bank deutscher Länder und die Landeszentralbanken miteinander zur Deutschen Bundesbank verschmolzen.

Die Bildung einer Zentralbank war schon im Grundgesetz vorgesehen. Dieser Forderung kam der Gesetzgeber im Juli 1957 mit dem Bundesbankgesetz nach, in dem auch die Unabhängigkeit der Zentralbank von der Politik fixiert wurde. Dieser Unabhängigkeit verdankte auch die D-Mark ihre Stabilität: Schließlich konnte die Bundesbank so der Preisstabilität Vorrang vor anderen - populäreren - wirtschaftspolitischen Zielen, wie Wachstum oder Vollbeschäftigung, geben. Dass man dabei ab und an mit der Regierung in Konflikt geriet, ist klar. Schon um den Sitz der Bank gab es Streit: Kanzler Konrad Adenauer (CDU) plädierte für Köln, die britische Militärverwaltung für Hamburg. Am Ende setzten sich die US-Besatzer durch und die Bundesbank kam nach Frankfurt, wo schon die Bank deutscher Länder ihren Sitz hatte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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