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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Die Mediensysteme, insbesondere die Tagespresse in den westlichen Demokratien, erleben derzeit eine konjunkturelle und strukturelle Krise: Symptome sind Redaktions-Schließungen, die Entlassung von Korrespondenten und wiederholte Sparrunden. Die Autoren des Sammelbandes "Medienwandel und Medienkrise" zeigen, dass diese Probleme oft hausgemacht sind und auf eine "kommerzielle Institutionalisierung" zurückgehen. Denn viele Eigentümer der Monopolzeitungen investierten ihre Gewinne nicht in die Redaktionen, um sich selbst hohe Dividenden überweisen zu können. Dadurch werde eine kritische und umfassende Berichterstattung "fundamental infrage gestellt", mahnen die Autoren. Dies gehe zu Lasten der demokratischen Gesellschaft, die auf eine unabhängige Presse angewiesen sei.

Die starke Konkurrenz des Internets und die sinkenden Werbeeinnahmen hätten die Tageszeitungen in den USA und in Europa "inhaltlich bereits deutlich geschwächt", unterstreichen die Medien-Wissenschaftler. Und zeigen sich erstaunt, dass nach all den Sparrunden überhaupt noch eine qualifizierte journalistische Leistung erbracht werde. Zwar bewirkten Bürgerjournalismus, Blogs und die Onlineangebote der sozialen Netzwerke eine Demokratisierung der Medienstrukturen insgesamt. Doch diese Entwicklung könne letztlich nur "eine Ergänzung, aber kein Ersatz" für professionellen Journalismus sein. Die "Blogosphäre" sei direkt von den Leistungen des Journalismus abhängig. Zudem richteten sich die neuen Onlineangebote an ein Nischenpublikum. Dies werde auch durch die die Zahl der Abrufe bestätigt.

Die Medienstudie bietet jedoch auch durchaus Grund zum Optimismus: So steige die Zahl der Leser deutscher und amerikanischer Qualitätszeitungen - einschließlich ihrer Onlineangebote. Exklusive journalistische Inhalte und Qualität sind offensichtlich noch immer die zentrale Voraussetzung für die Gewinnung von Lesern und wirtschaftlichem Erfolg.

Otfried Jarren, Matthias Künzler, Manuel Puppis (Hg):

Medienwandel oder Medienkrise?

Nomos Verlag, Baden-Baden 2012; 229 S., 34 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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