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Aus Plenum und Ausschüssen
Karl-Otto Sattler
Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Enquetekommission

Rosige Zeiten kommen auf Arbeitnehmer zu. Künftig wird es weniger um die Suche nach Jobs für Erwerbslose gebe. Dafür um so mehr um die Besetzung freier Stellen. Der demographische Wandel wird das Arbeitskräfteangebot verknappen und besonders den Fachkräftemangel verschärfen. Und nach vielen Jahren des Drucks auf Löhne wird mit spürbaren Gehalts-Anhebungen zu rechnen sein. Mit dieser frohen Botschaft überraschte vergangene Woche Karl-Heinz Paqué die Enquetekommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität". Der von der FDP in das Gremium berufene Sachverständige: "In Zukunft stehen die Zeichen wieder auf Expansion."

Ein eher pessimistisches Szenario entwarf hingegen DGB-Vertreter Dietmar Hexel: Die Langzeiterwerbslosigkeit halte sich hartnäckig auf hohem Niveau, schon acht Millionen Menschen müssten für Niedriglöhne arbeiten, die erst anlaufende Digitalisierung der Verwaltung und des Wissenssektors werde viele Jobs vernichten, Leiharbeiter verdienten 30 Prozent gegenüber Festangestellten, konstatierte der von der SPD benannte Experte. Auch Hexel sieht den sich abzeichnenden Fachkräftemangel, ohne eine bessere Umschulung und Fortbildung komme indes der Abbau der Erwerbslosigkeit nicht voran.

Die Kontroverse entbrannte nach einem optimistischen Blick Michael Hüthers auf den Arbeitsmarkt. Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft sprach von einem "Höchststand bei der Beschäftigung", die Zahl der Erwerbstätigen steige, bei den Frauen liege Deutschland in der Spitzengruppe. Zwar mache der Niedriglohnsektor mittlerweile über 20 Prozent des Arbeitsmarkts aus, doch erhöhe sich diese Quote nicht weiter. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Jobs habe sich stabilisiert.

Bei der Debatte über die "Zukunft der Arbeit" forderte Adelheid Biesecker, die häufig aus dem regulären Arbeitsmarkt ausgegrenzte oder schlecht entlohnte "Sorgearbeit", die vorwiegend von Frauen geleistet werde, als "gesellschaftlich notwendig" anzuerkennen. "Diese Tätigkeiten tragen viel zu Wohlstand und Lebensqualität bei", betonte die emeritierte Bremer Wirtschaftsprofessorin: "Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit." Zur wichtigen "außermarktlichen Arbeit" rechnete sie auch bürgerschaftliches Engagement. Biesecker beklagte, dass die existenzsichernde Erwerbstätigkeit im produzierenden Gewerbe immer knapper werde, auch erfasse der Trend zur "Prekarisierung" selbst Vollzeitstellen. Sie plädiert für Arbeitszeitverkürzungen, um die Erwerbsarbeit gerechter zu verteilen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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