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Susanne Kailitz
Die USA als Vorbild

Hertha Vagts-Bade

Gerade erst hat Hertha Vagts-Bade sich über eine politische Entwicklung sehr gefreut: Dass es mit Malu Dreyer die erste Ministerpräsidentin mit Handicap geben wird, "das ist das Beste, was passieren konnte", sagt sie. Wie die SPD-Politikerin leidet auch Vagts-Bade an Multipler Sklerose und sie ist froh, dass der Krankheit nun neue Aufmerksamkeit gewidmet wird. Seit 25 Jahren lebt die Rechtsanwältin aus Münster mit MS, inzwischen ist sie sichtlich gehbehindert und immer wieder auf Gehstöcke oder den Rollstuhl angewiesen.

Den Lebensmut haben ihr die Einschränkungen nicht nehmen können. Sie führe, so sagt die verheiratete Mutter einer Tochter fröhlich, genau das Leben, das sie sich gewünscht habe - "wenn auch deutlich mühsamer". Nur manchmal, da könnte sie schier verzweifeln: "Wenn es nicht möglich ist, mit dem Rollstuhl allein in einen Zug einzusteigen, wenn man wieder und wieder darum bitten muss, den Geschirrwagen vor dem Zugang zur Behindertentoilette zu entfernen oder wenn der Empfangstresen im Hotel so hoch ist, dass man die Person dahinter gar nicht sehen kann - dann geht mir das alles hier viel zu langsam." In den USA etwa sei man viel weiter, dort würden Behinderte im Alltag eine sehr viel selbstverständlichere Unterstützung bekommen als in Deutschland.

Veranstaltungen wie das Treffen im Bundestag könnten jedoch dabei helfen, die Barrierefreiheit auch hierzulande schneller voranzutreiben: "Wenn das, was wir in den Arbeitskreisen besprochen haben, dann auch umgesetzt wird, wäre das unglaublich hilfreich. Wir sind ja Fachleute in eigener Sache - so viel geballte Information bekommen Politiker vermutlich selten."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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