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Susanne Kailitz
Ungeduldiger Sozialheld

Raul Krauthausen

Wenn es etwas gibt, das Raul Krauthausen nicht mag, dann sind das Redewendungen, die die gängigen Vorurteile gegenüber dem Leben mit Behinderungen transportieren. "Da heißt es, jemand sei an den Rollstuhl gefesselt oder leide an dieser oder jener Krankheit - das vermittelt eine bestimmte Sichtweise auf Behinderungen, die ich ablehne. Ich habe die Glasknochenkrankheit und ich sitze im Rollstuhl. Punkt."

Der Berliner will, dass das Leben mit Behinderungen als etwas Alltägliches wahrgenommen wird - und Menschen mit Berhinderung nicht zu ihrem vermeintlichen Schutz in Sondereinrichtungen abgeschoben werden. "Jeder Mensch", so sagt er, "hat das Recht und die Pflicht, Frust zu erfahren und zu lernen, ihn zu bewältigen." Er sei froh, dass er in den 1980er Jahren die erste Integrationsschule in Berlin habe besuchen können und so gelernt habe, die Herausforderungen des ganz normalen Alltags zu meistern. Dazu gehört zum Beispiel auch, sich mit dem Rollstuhl im Straßenverkehr zurechtzufinden. Krauthausen ist Gründer des Projekts wheelmap.org, bei dem Nutzer weltweit die Rollstuhlgängigkeit verschiedener Örtlichkeiten eintragen können. Das Projekt läuft erfolgreich, mittlerweile ist das Angebot in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.

Aber auch auf anderen Feldern ist der junge Mann aktiv: Gemeinsam mit seinem Cousin rief Krauthausen den Verein "Sozialhelden" ins Leben, bei dem sich Ehrenamtliche dafür engagieren, soziales Handeln sichtbar und attraktiv zu machen. Diese Form des Engagements liege ihm mehr als etwa die Betätigung in Parteien, erklärt Krauthausen. Denn: "Wenn Privatpersonen sich zusammenschließen, gelingen die Dinge oft schneller, als wenn man den mühsamen Weg durch die Institutionen gehen muss. Dafür bin ich einfach zu ungeduldig."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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