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AUFGEKEHRT
Alexander Weinlein
Mehr oder weniger

In der Kürze liegt die Würze. Übersetzen ließe sich das alte Sprichwort auch so: weniger ist mehr. Hartmut Mehdorn, Chef des Chaos-Flughafens Berlin-Brandenburg, hat dieses Motto in den vergangenen Jahren mehr als einmal zum pragmatischen Prinzip erhoben. Als der neue Hauptbahnhof in Berlin nicht rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 fertig zu werden drohte und die Kosten obendrein aus dem Ruder liefen, da kürzte der damalige Bahn-Chef die Überdachung des Bahnsteiges um rund 130 Meter. Weniger war mehr.

Und auch als neuer Chef des Berliner Flughafens greift Mehdorn in die "Weniger-Ist-Mehr"-Trickkiste. Na, wenn der Flughafen nicht so schnell fertig wird wie geplant, dann eröffnen wir ihn eben in Etappen. Ist zwar weniger als erhofft, aber doch mehr als erwartet. Und es hätte ja schlimmer kommen können - etwa mit verkürzten Lande- und Startbahnen. Wundern würde in Berlin ja niemanden mehr etwas.

Wie dem auch sei, Mehdorn beweist, dass es eben nicht auf die Größe oder Länge ankommt. Damit steht der "kleine Dicke", wie er sich selbst gerne nennt, in einer Reihe mit Alexander dem eigentlich gar nicht so Großen, dem kleinen Korsen Napoleon, "kleines dickes" Gerd Müller oder Silvio "Bunga-Bunga" Berlusconi.

Doch jetzt scheint Mehdorn alte Gewissheiten ins Gegenteil verkehren zu wollen. Zwei Landebahnen, so befand er, sind eigentlich zu wenig für einen Hauptstadtflughafen. Drei wären viel angebrachter. Weniger ist also doch nicht mehr. Das denkt sich derzeit auch die Bahn und prüft, ob sie das verkürzte Glasdach am Berliner Hauptbahnhof doch auf die ursprünglich geplante Länge bringen will. Mehr ist also mehr? Naja, mehr oder weniger.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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