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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Obwohl der Kalte Krieg seit mehr als 20 Jahren vorbei ist, prägt seine Hinterlassenschaft bis heute die Sicherheitslage weltweit. Verantwortlich dafür ist das "Sicherheitsethos" der USA. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationaler Historikerkreis in einem Sammelband über das "Erbe des Kalten Krieges". Vor allem der "Krieg gegen den Terror" habe das Paradigma des Kalten Krieges reaktiviert, schreibt der Militärhistoriker Sean N. Kalic. So habe die Bush-Administration bewusst die Ideen und die Begrifflichkeiten aus dem Ost-West-Konflikt übernommen, um alte Ängste lebendig zu halten. Die Suche nach einem neuen Feindbild habe erst am "11. September" geendet, seitdem hätten die USA wieder eine veritable Begründung und Legitimation für ihre globale Militärpräsenz. Im Zuge der "imperialen Präsidentschaft" von George W. Bush sei das System der "checks and balances" zu Gunsten der Exekutive ausgehöhlt worden.

Nicht nur die frühere Außenministerin Madeleine Albright ist davon überzeugt, dass es sich bei den USA um eine "unverzichtbare Nation" handelt. Tatsächlich pflegen amerikanische Politiker spätestens seit den 1890er Jahren ein einzigartiges Ethos: Danach seien die USA in höherem Auftrag unterwegs, um die Welt zu verbessern und zu retten, erinnert William O. Walker. Der "nationale Sicherheitsstaat" und das "Sicherheitsethos" dominierten bis heute das politische Denken und Handeln der politisch Verantwortlichen, für US- Außenpolitiker sei die unipolare Vorherrschaft ein "selbstverständliches Recht" der USA. Nach dem Ende des Kalten Krieges, in dem die Sowjetunion Washington "gebremst" habe, bestünde jetzt die Chance, die Macht der USA auszubauen, zum Beispiel über eine Erweiterung der US-Basen. So unterhielten die Vereinigten Staaten Ende 2001 mehr als 700 Militäreinrichtungen in 38 Ländern, zugleich waren über 500.000 Militärangehörige in 153 Staaten stationiert. Unterdessen beruhigt Bernd Greiner die Gemüter: Es sei unwahrscheinlich, dass sich die alten und neuen Supermächte heutzutage aus ideologischen Gründen zu Feinden erklären.

Bernd Greiner, Tim B. Müller, Klaas Voß (Hg.):

Erbe des Kalten Krieges

Hamburger Edition, Hamburg 2013; 507 S. 36 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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