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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Der Deutsche Bundestag rehabilitierte im Jahr 2009 die wegen "Kriegsverrats" verurteilten Wehrmachtssoldaten. Einen Sonderfall stellte das Todesurteil gegen Anton Schmid dar, wie der Historiker Wolfram Wette in seinem herausragenden und sehr bewegenden Buch betont. Es gebe keinen vergleichbaren Fall, in dem ein Soldat von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden sei, weil er sich über die Judenmorde empört und versucht hatte, Juden zu retten.

Anton Schmid war ein zwangsweise zum Kriegsdienst in der Wehrmacht verpflichteter österreichischer Handwerker und Einzelhandelskaufman. In Wilna, dem "Jerusalem des Ostens", rettete der Wiener bis zu 300 Juden das Leben. Schmid habe es als frommer Katholik als seine Christenpflicht angesehen, den verfolgten Juden zu helfen, berichtete Simon Wiesenthal aus seinen Gespräche, die er nach dem Krieg mit von Schmid Geretteten führen konnte. Auch in seinem letzten Brief, den der Feldwebel vor seiner Hinrichtung am 13. April 1942 seiner Frau schrieb, begründete der zum Tode verurteilte sein Handeln mit seinem Glauben.

Wette, früher am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg tätig, wurde bekannt mit seinen kritischen Studien über den deutschen Militarismus und den Vernichtungskrieg der Wehrmacht an der Ostfront. Er entlarvte die These von der "sauberen" Wehrmacht im Unterschied zur Waffen-SS als Legende und lobte die Zivilcourage der sogenannten "Kriegsverräter". Wette nennt die wenigen deutschen Soldaten beim Namen, die versucht hatten, Juden zu retten. Schonungslos deckt er auf, dass der "Rettungswiderstand" nach dem Krieg lange tot geschwiegen wurde.

Schmid wurde als einer der ersten Deutschen respektive Österreicher 1967 vom Staat Israel als "Gerechter unter den Völkern" geehrt. 33 Jahre später folgte eine offizielle Würdigung in Deutschland: in Rendsburg wurde eine Bundeswehr-Kaserne nach Schmid benannt - als sichtbares Zeichen eines neuen Traditionsverständnisses im deutschen Militär.

Wolfram Wette:

Feldwebel Anton Schmid. Ein Held der Humanität.

Verlag S. Fischer, Frankfurt/M. 2013; 312 S., 24,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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