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Helmut Stoltenberg
Wachsender Andrang

KANDIDATEN 4.451 Bewerber stellen sich dem Wählervotum. 30 Parteien hoffen dabei auf die Zweitstimme

Wenn am kommenden Sonntag in ganz Deutschland pünktlich um 8 Uhr die Wahllokale öffnen, stellen sich insgesamt 4.451 Bundestagskandidaten dem Votum der rund 61,8 Millionen Wahlberechtigten. Das sind fast 900 Bewerber mehr als vor vier Jahren: Bei der Wahl 2009 waren lediglich 3.556 Kandidaten angetreten, um ein Bundestagsmandat zu erringen.

1.005 der jetzt zur Wahl stehenden Bewerber kandidieren nach Angaben von Bundeswahlleiter Roderich Egeler nur in einem Wahlkreis und 1.746 ausschließlich auf einer Landesliste. 1.700 bewerben sich sowohl in einem Wahlkreis als auch auf einer Landesliste um einen Sitz im nächsten Bundestag. Von den derzeit 620 Abgeordneten kandidieren 517 wieder für ein Mandat: 199 von der CDU/CSU-Fraktion - davon einer als Einzelkandidat, 113 Sozialdemokraten, 71 FDP-Abgeordnete, 70 Mitglieder der Linksfraktion, 63 Grünen-Parlamentarier und ein fraktionsloser Volksvertreter.

Während 81 Einzelkandidaten oder Wählergruppen mit einem Bewerber in Wahlkreisen punkten wollen, werben 30 Parteien mit insgesamt 233 Landeslisten um die ausschlaggebenden Zweitstimmen der Wähler, die über das Kräfteverhältnis im neuen Bundestag entscheidet. Die größte Auswahl haben dabei die Nordrhein-Westfalen, die zwischen den Landeslisten von 22 Parteien wählen können; am wenigsten Landeslisten, nämlich jeweils zwölf, gibt es in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und im Saarland.

Wie stets tritt die CDU in allen Bundesländern außer Bayern an, während ihre Schwesterpartei CSU nur im weiß-blauen Freistaat zur Wahl steht. Neun weitere Parteien - SPD, FDP, Die Linke, Grüne, Piraten, NPD, MLPD, AfD und Freie Wähler - bewerben sich in allen 16 Ländern mit Landeslisten. Nur in je einem Land präsentieren sich wie die CSU noch sechs weitere Parteien mit Listen.

Lediglich auf Erststimmen hoffen insgesamt vier Parteien, die in verschiedenen Ländern mit einem oder mehreren Wahlkreisbewerbern vertreten sind. Direktkandidaten der CDU beziehungsweise der CSU sowie der SPD und der Grünen finden sich in allen 299 Wahlkreisen, während für die FDP und Die Linke jeweils 298 Bewerber direkt im Wahlkreis kandidieren.

Insgesamt beläuft sich die Zahl der Direktkandidaten unter Berücksichtigung aller Parteien, Wählergruppen und Einzelbewerbern auf 2.705. Von ihnen sind 607 oder 22,4 Prozent Frauen. Sie stellten bei der Bundestagswahl vor vier Jahren mit 522 Bewerberinnen noch 23,8 Prozent aller Direktkandidaten, deren Gesamtzahl damals allerdings nur bei 2.195 lag.

Die Zahl aller Landeslistenbewerber beträgt

in diesem Jahr 3.446, von denen 1.027 und damit 29,8 Prozent Frauen sind. Auch hier war der Frauenanteil bei der Wahl 2009 mit 31,2 Prozent größer, als von damals 2.705 Listenbewerbern 845 weiblich waren. Von den im Bundestag vertretenen Parteien weisen die Grünen auch 2013 bei den Landeslistenkandidaten den höchsten Frauenanteil auf mit 50,9 Prozent, dicht gefolgt von der Partei Die Linke mit 50,3 Prozent. Bei der SPD sind 40,5 Prozent der Listenkandidaten Frauen, bei der CDU 35,8 Prozent und bei der CSU 30,0 Prozent. Bei der FDP liegt der Frauenanteil bei den Listenbewerbern mit 20,1 Prozent bei einem Fünftel.

Betrachtet man die Gesamtzahl aller Kandidaten einer Partei, kommen die Grünen auf einen Frauenanteil von 43,7 Prozent. Bei der SPD liegt dieser Anteil bei 39,8 Prozent, bei der Linken bei 35,3 Prozent und bei der CDU bei 32,3 Prozent. Die CSU weist hier einen Frauenanteil von 24,4 Prozent auf, während es bei der FDP 19,8 Prozent sind.

Durchschnittsalter 47,4 Jahre

Von diesen Parteien haben CDU und CSU gemeinsam mit 532 Kandidaten die meisten aufgestellt. gefolgt von der SPD mit 427. Für die Grünen gehen 366 Bewerber ins Rennen, für die FDP 363 und für Die Linke 343.

Die jüngste Bewerberin bei der Bundestagswahl ist Jahrgang 1995 und kandidiert in Bayern; der älteste Kandidat ist 1923 geboren und kandidiert in Berlin. Wie bei der Wahl 2009 liegt das Durchschnittsalter aller Bewerber bei 47,4 Jahren. Abgesehen von Parteien mit nur jeweils einem Direktkandidaten haben die Bewerber der Partei "Die Rechte" mit 25,8 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter, während die Kandidaten der Partei "Volksabstimmung" mit 69,3 Jahren das höchste Durchschnittsalter aufweisen.

Mit 27 Prozent aller Bewerber stellt die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen die meisten Kandidaten, dicht gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen, zu denen 26 Prozent der Bewerber zählen. 17 Prozent der Kandidaten sind 30 bis 39 Jahre alt und 14,3 Prozent 60 bis 69 Jahre. Auf die 25- bis 29-Jährigen entfallen 7,2 Prozent. Mit 194 Kandidaten im Alter von 70 Jahren und mehr ist diese Altersgruppe zu 4,4 Prozent bei den Bewerbern vertreten, während die 187 zwischen 18 und 24 Jahren nur 4,2 Prozent aller Kandidaten ausmachen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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