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Götz Hausding
Die Fraktionsmanagerin: Christine Lambrecht

Die Zustimmung war mehr als deutlich. Mit 95,1 Prozent der Stimmen wurde Christine Lambrecht zur Ersten Parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD-Fraktion gewählt. Als Nachfolgerin von Thomas Oppermann, der jetzt den Fraktionsvorsitz innehat, ist die 48-Jährige aus Hessen nun die erste sozialdemokratische Frau in der Rolle des "PGF", wie der zweitwichtigste Posten innerhalb einer Fraktion gern abgekürzt wird. "Oberste Aufgabe der PGF ist es, die Fraktion im Bundestag zu organisieren. Das umfasst natürlich auch inhaltliche Abstimmungen fraktionsintern und mit den anderen Fraktionen", sagt sie. Lediglich als "Fraktionsmanagerin", wie sie in einigen Medien betitelt wurde, sieht sich die Juristin jedoch nicht. "Ich möchte das Amt mit seiner öffentlichen Wahrnehmung auch politisch nutzen", nimmt sie sich vor.

Musste sie sich eigentlich für den Posten bewerben, oder wurde sie gefragt, ob sie es machen möchte? Zum einen müsse man es natürlich selbst wollen, sagt sie. "Und da es ganz wichtig ist, sehr vertrauensvoll mit dem Fraktionsvorsitzenden zusammenzuarbeiten, ist es auch gut, von ihm vorgeschlagen zu werden." Was auch der Fall war, wie sie bestätigt.

Anders als ihr Vorgänger Oppermann in den vergangenen vier Jahren führt Christine Lambrecht die Geschäfte einer Regierungsfraktion. Und will sich dennoch für die Rechte der Opposition stark machen. Sie wolle dafür Sorge tragen, dass die Oppositionsfraktionen genug Raum bekommen, kündigt sie an. "Es ist schließlich in unser aller Interesse, dass wir eine wahrnehmbare Opposition haben. Davon lebt der Parlamentarismus und ich bin Parlamentarierin durch und durch", macht sie deutlich. Ihren Vorstellungen nach soll die Opposition beispielsweise die Möglichkeit haben, im Bundestag eine Anhörung zu beantragen oder auch die Einsetzung eines Untersuchungsausschuss zu verlangen, obwohl sie eigentlich zahlenmäßig dafür zu klein ist. "Dafür werde ich mich einsetzen", sagt die Sozialdemokratin, die schon als 17-Jährige der SPD beitrat. Zu Beginn der 1980er Jahre sei sie durch den Nato-Doppelbeschluss politisiert worden, erzählt sie. Außerdem habe sie sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert. Was auch damit zu tun hat, dass Christine Lambrecht in Mannheim, nur gut 20 Kilometer vom Kernkraftwerk Biblis entfernt, aufgewachsen ist. "Dazu habe ich noch im antifaschistischen Arbeitskreis mitgearbeitet", sagt sie. Über diese Themen ist sie dann zur Politik gekommen und hat den Schluss gezogen: "Meine Ideen kann ich am besten in der SPD umsetzen."

Eigene Ideen auch umsetzen zu können ist ihr sehr wichtig. "Als ich 1998 für die SPD in den Bundestag gewählt wurde, waren wir Regierungsfraktion. Da konnte ich - wie auch in den folgenden Jahren - etwas bewegen", sagt sie. Die Oppositionszeit hingegen sei manchmal frustrierend gewesen: "Was nutzen die schönsten Papiere, die man schreibt, wenn man nichts davon umsetzen kann." Auf der anderen Seite habe die SPD "in der Opposition viele politische Konzepte erarbeitet, die jetzt Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden haben".

So ist es denn nicht verwunderlich, dass Christine Lambrecht auch ihr ehrenamtliches Engagement als Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerkes nutzt, um etwas zu bewegen. "Wäre es nur eine repräsentative Aufgabe, wäre mir das auch zu wenig", sagt sie. Stattdessen sieht sie sich als "ehrenamtliche Lobbyistin des THW" auf Bundesebene. "Bei den Haushaltsberatungen vertrete ich beispielsweise die Interessen des THW", macht Lambrecht deutlich. Kennengelernt hat sie das THW in ihrer Abgeordnetenzeit. "Da gab es ein Programm: Abgeordnete und THW im Team. Das hat mir die riesige Bandbreite an Möglichkeiten, um Menschen in Not zu helfen, aufgezeigt", sagt sie.

In der Hilfsorganisation selbst, "in der 99 Prozent aller Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind", wirbt sie dafür, dass sich mehr Frauen engagieren. "Derzeit ist das THW noch ziemlich männerdominiert. Dabei ist das durchaus auch etwas für Frauen", findet Christine Lambrecht. Sie sieht nun, wie es ist, in vermeintliche Männerdomänen einzubrechen. Götz Hausding z

Aus Politik und Zeitgeschichte

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