Inhalt

Michael Klein
Angelesen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Deshalb ist auf dem Umschlag des jüngsten Werkes von Henryk M. Broder auch die Titanic abgebildet - mit dem Kiel schon halb unter Wasser. Und wie die Titanic sieht der Autor auch Europa oder zumindest die europäische Idee versinken. In 15 lesenswerten Kapiteln wendet sich der Berufspolemiker Broder vor allem gegen das Europa der Bürokraten ("Brüsseler EU-Adel"), die die Vielfalt der inzwischen 28 Mitgliedsländer der Europäischen Union mit mehr als 500 Millionen Einwohner mit einem "Regulierungswahn" vereinheitlichen wollen.

Beispiel dafür findet er genug: Da werden die herkömmlichen Glühbirnen verboten. Diese müssen durch teure Energiesparlampen ersetzt werden, deren Entsorgung unter anderem durch das darin enthaltene giftige Quecksilber schwierig und teuer ist. Broder nennt auch die milliardenteure "Euro-Rettung" und verweist auf die Verschwendung von EU-Steuergeldern, etwa die Verwendung von Mittel aus "Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)" für die Sanierung von Sportanlagen.

So dringt Henryk Broder immer weiter in die Untiefen der Europäischen Union vor und entlarvt sie als eine "Bürokratur", die vor allem an sich selbst denkt und sich offensichtlich selbst ernährt. So verdient der deutsche Bundespräsident mit rund 18.000 Euro ungefähr so viel wie ein Direktor in der EU-Verwaltung im siebten Jahr. Ein promovierter wissenschaftlicher Mitarbeiter einer deutschen Universität kann sich mit rund 3.800 Euro über das gleiche Gehalt freuen wie ein Saaldiener des EU-Parlaments.

Was aber kann getan werden, um die Titanic vor dem endgültigen Absaufen zu retten? Broder empfiehlt dazu eine Auszeit von Europa. In dieser Zeit solle nichts beschlossen oder verkündet werden und keine Entscheidungen über Rettungsaktionen und Erweiterungen getroffen werden. Stattdessen soll in dieser Zeit eine Debatte über die Zukunft Europas geführt werden.

Henryk M. Broder:

Die letzten Tage Europas

Knaus Verlag, München 2013; 224 S., 19,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag