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Claus Peter Kosfeld
Kühne Träume, harte Zeiten

AUSWANDERER Viele Deutsche fingen in New York klein an

Manche kamen mit guten Ideen, viele nur mit einem Notgroschen in der Tasche und fast alle mit kühnen Träumen. Die USA werden seit Jahrhunderten von Einwanderern geprägt, und viele Deutsche zog es nach New York. Oft war es materielle Not, die Menschen veranlasste, ihr Leben in Übersee neu zu beginnen. Und so können die ersten Quartiere deutscher Auswanderer in New York als Armenviertel bezeichnet werden, wie Ilona Stölken in ihrem Buch "Das deutsche New York" illustriert.

Die Tragödie

Die erste größere Kolonie entstand auf der Lower East Side, "Kleindeutschland" genannt. Um 1845 lebten rund 24.000 Deutsche, oft unter prekären Bedingungen, in New York City. Wer es sich leisten konnte, ging nach Yorkville auf der Upper East Side. 1880 zählte New York mit 168.000 Deutschen nach Wien und Berlin zu den größten "deutschsprachigen Städten" der Erde. Beschleunigt wurde der Niedergang "Kleindeutschlands" schließlich durch ein Unglück, das als größte Katastrophe vor dem Terrorangriff vom 11. September 2001 in die Stadtgeschichte einging. Die evangelische Kirche hatte 1904 die Gemeinde zum Picknick geladen und einen Dampfer gechartert, als auf dem East River an Bord ein Feuer ausbrach. Von den über 1.300 Passagieren kamen 1.021 ums Leben. Die Gemeinde erholte sich nie mehr von dem Schock. Viele Deutsche Ingenieure, Tüftler und Künstler gingen nach New York, um der geistigen Enge der Heimat zu entkommen, andere wollten gute Geschäfte machen. Ob jüdische Banker wie Heinrich Lehman, Marcus Goldmann oder Joseph Sachs aus Bayern, der Klavierbauer Heinrich Steinweg aus dem Harz oder der Brückenbauer Johann Röbling aus Thüringen, der die Brooklyn Bridge entwarf: sie alle nutzten die großen Freiheiten einer Stadt der neuen Ideen.

Die Historikerin Stölken beschreibt die Geschichte der Deutschen in New York von den Anfängen bis zu den jüdischen Emigranten, die ab 1933 vor den Nazis flohen. Anschaulich zeigt sie in dem opulent bebilderten Band auf, welche Höhen und Tiefen Deutsch-Amerikaner in den Jahren durchlebten, wie sie die Weltstadt nachhaltig prägten und wie umstritten sie mitunter in Kriegszeiten waren.

Ilona Stölken:

Das deutsche New York. Eine Spurensuche

Lehmstedt Verlag, Leipzig 2013; 280 S., 29,90 €

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Aus Politik und Zeitgeschichte

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