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Julian Burgert
Nicht so viel Angst, bitte Mehr Wettbewerb tut not

DEUTSCHLAND Mentalitätswandel im Land gefordert

Als "zögernder Hegemon" wurde Deutschland diese Jahre öfter beizeichnet, unter anderem vom britischen Magazin "The Economist". Der amerikanische Kolumnist und Journalist Eric T. Hansen geht in seinem Buch "Die ängstliche Supermacht" sogar noch weiter und beschreibt seine Wahlheimat als wirtschaftliche und politische Supermacht, die zu viel Angst vor ihrer neuen Rolle in der Welt habe.

Veränderte Situation

Anlass des Buches war laut Autor die deutsche Rolle bei der Griechenland- und Euro-Krise. Zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges habe Deutschland hier aktiv in die Geschicke einer anderen Nation eingegriffen, wenn auch zögernd. Damit übernehme Deutschland Verantwortung für sich und Europa und agiere wie eine Supermacht. Gleichzeitig sei die Griechenlandkrise auch ein Wendepunkt für den Kontinent: Langfristig müsse sich die Europäische Union zu den Vereinigten Staaten von Europa entwickeln, um in den gobalen Machtverhältnissen zu bestehen. Deutschlands Aufgabe sei es nun, die EU in diese Richtung leiten. Auf diese realpolitische Machtverschiebung muss nach Hansen aber auch ein Mentalitätswandel der deutschen Bevölkerung und Elite folgen, denn noch hindere die derzeitige Einstellung der Bevölkerung das Land daran, die neue Führungsrolle vollständig zu akzeptieren und umzusetzen.

Den Schwerpunkt in seinem Buch legt Hansen auf die Darstellung der "ängstlichen Supermacht". Provokant und doch mit Humor beschreibt er Deutschland als verängstigtes Kind, das sich nicht traue, Verantwortung zu übernehmen. Am liebsten wolle es den "Dornröschenschlaf der letzten 60 Jahre" fortführen. Zu oft kennzeichne die Aussage "Das geht nicht" das Tun und Schaffen, sowohl in der Politik als auch in der Kultur. In seiner Beschreibung der "Supermacht" bleibt Hansen dagegen vage, er bezieht sich hauptsächlich auf die wirtschaftliche Stärke des Landes und dessen Einfluss in der Euro-Krise.

Trotz aller Kritik lässt der Amerikaner durchaus große Sympathie für seine Wahlheimat erkennen. Charmant motivierend fordert er das Land und seine Bewohner dazu auf, mutiger zu sein, ihre Talente und Qualitäten zu nutzen und die Vereinigung Europas aktiv voranzutreiben.

Allerdings konzentriert sich Hansen zu sehr auf seine Kritik am Ist-Zustand Deutschlands. Sie nimmt innerhalb des Buches zu viel Raum ein. Zudem erscheint die Argumentation an manchen Stellen stark bemüht.

Eric T. Hansen:

Die ängstliche Supermacht.

Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss

Bastei-Lübbe Verlag, Köln 2013; 255 S., 18,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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