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LESERPOST

Kurz notiert

Leserbrief zur Ausgabe 18-19 vom 28.4.2014, "Der gelähmte Kontinent" auf Seite 1:

Die Debatte über ein "neues Narrativ" für Europa jenseits des Wachstums-Paradigmas scheint auch mir eine zentrale politische Aufgabe zu sein. Welche Lösungen hat der zurückliegende Wahlkampf hervorgebracht? Ich sehe zwei Richtungen:

Die erste ist die traditionelle Erzählung von den "Soldatenfriedhöfen" und die Vision von einem friedlichen und "kosmopolitischen" Europa, wie es Politycki ausdrückt.

Die zweite Lösung ist die Erzählung wie es der "Eurovision Song Contest" verkörpert, nämlich die von einem Europa, "in dem man ohne Angst verschieden sein kann", um mit Adorno zu sprechen.

Beides halte ich für wichtige und wertvolle Denkansätze. Aber sind sie schon tragfähig? Angesichts der Dynamik der angstbesetzten und aggressiven Abschottungs- und "Festungs"-Mentalität, die im Emporkommen der rechtspopulistischen Kräfte zum Ausdruck kommt, bedarf es meines Erachtens eines starken, attraktiven und latent populären Narrativs. Aus meiner Sicht kann dieses nur aus dem Diskurs über Nachhaltigkeit gewonnen werden. Genauer gesagt, aus den spezifisch europäischen geistigen Wurzeln und den hier gelebten Modellen dieses weltweiten Leitbildes.

Ich schlage vor, den Gang über die Soldatenfriedhöfe durch ein Flanieren über die vielfältigen Schauplätze eines jungen, liebens- und lebenswerten, ergrünenden Europa zu erweitern.

Ulrich Grober, Marl

Der Artikel spiegelt die sehr persönliche Sicht des Autors wider. Viele Bürger sehen die Entwicklung eines gemeinsamen Europas zum Glück sehr viel differenzierter und das dürfen sie auch. Niemand möchte hier zum russischen Einflussbereich gehören, aber die Politik Amerikas macht auch nicht alle glücklich.

Die offenen Grenzen wissen wir alle zu schätzen, ebenso wie die Möglichkeit, innerhalb der Europäischen Union zu arbeiten und zu studieren. Aber man sollte keine Politik ohne die Bürger machen.

Christiane Bohm, per E-Mail

Leserbrief zur Ausgabe 18-19 vom 28.4.2014, "Lateiner und Germanen" auf Seite 13:

In dem Artikel, der sich offenbar auf ein Essay von Giorgio Agamben stützt, fehlt der Hinweis auf Portugal. Auch Portugal wäre sicher ein ebenbürtiges Mitglied eines "Empire Latin", zumal mit seiner Erfahrung als frühere Welt- und Kolonialmacht.

Interessant ist an dem Artikel, dass er hier wieder den Blick durch die deutsche Brille zeigt: Als Deutscher mit portugiesischen Wurzeln weiß ich, dass für Deutschland Portugal trotz seiner geschichtlichen Bedeutung nahezu nicht existent ist. Doch die in dem Artikel beschriebene Hegemonialstellung Deutschlands im Süden wurde durch diverse portugiesische Intellektuelle wie den verstorbenen Nobelpreisträger Jose Saramago in seinen Werken oder dem Philosophen und Soziologen Eduardo Lourenco angesprochen. Der Ausverkauf der portugiesischen beziehungsweise der südländischen Kultur ist das Ergebnis einer, wie im Artikel richtig beschrieben wurde, germanisch-anglophilen Kulturhegemonie, die die Eigenheiten der südlichen Völker zu zerstören sucht. Gelten die lateinischen beziehungsweise südlichen Völker doch als Alternative zu den protestantischen Staaten Nord- und Mitteleuropas. Die Finanzkrise ist ein Konstrukt, das versucht, genau diese Hegemonialstrukturen in Südeuropa zu implementieren.

Es bleibt aber dennoch die Frage, ob das Lateinische nicht insgesamt am Ende der Sieger sein wird, weil der Mensch erkennt, dass es schlicht und ergreifend so nicht weiter gehen kann?

Thomas Fix, Frankfurt am Main

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