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Aschot Manutscharjan
Kurz notiert

Gute Nachrichten für die Nobelpreiskomitees für Frieden und Literatur: Sie haben die Chance, frühere Fehlentscheidungen und fragwürdige Nominierungen vergessen zu machen. In diesem Jahr haben die Komitees die einmalige Gelegenheit, den amerikanischen Verfassungsrechtler und Journalisten Glenn Greenwald zu ehren. Sein Buch über den Kampf für Freiheit im Internet-Zeitalter verfügt über die publizistische Wucht und weltpolitische Bedeutung, die eine solche Ehrung verdient hat.

Seit 2005 beschäftigt sich Greenwald mit den Folgen des berüchtigten "Patriot Act". Heraus kam ein Bestseller, der die massiven Angriffe auf die Bürgerrechte in den USA unter dem Vorwand des Anti-Terror-Kampfes scharf kritisiert. Zugleich verteidigt er den Whistleblower Bradley Manning, der die Drahtberichte der US-Regierung der Wiki-Leaks-Plattform zugespielt hatte.

Im Dezember 2012 erhielt Greenwald die E-Mail eines Unbekannten, der seinen Kampf für die Privatsphäre teilt und ihm riet, für die weitere Kommunikation ein Verschlüsselungsprogramm zu installieren. "Wir können gewinnen, wenn wir begreifen, durch welche Mechanismen unsere Privatsphäre verletzt wird. Letztlich müssen wir ein Prinzip durchsetzen, durch das die Mächtigen nur so viel Privatsphäre genießen können, wie auch den gewöhnlichen Menschen zugestanden wird." Dieses kurze Mail überzeugte den Journalisten und seine Kollegin, die Filmemacherin Laura Poitras. Schließlich wurde ein persönliches Kennenlernen in Hongkong vereinbart. Vor dem Treffen erhielten die beiden Journalisten eine weitere Botschaft: Darin erklärte ihr Informant, er sei bereit, "seine Freiheit aufs Spiel zu setzen und das Risiko einer höchstwahrscheinlich sehr langen Haftstrafe auf sich zu nehmen", um sämtliche Beweise der Öffentlichkeit vorzulegen. Was danach passierte, weiß heute die ganze Welt: Edward Snowden übergab Greenwald die Informationen über die NSA-Überwachungsprogramme. Greenwalds Buch ist eine Pflichtlektüre.

Glenn Greenwald:

Die globale Überwachung.

Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen.

Droemer Verlag, München 2014; 366 S., 19,99 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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