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Alexander Weinlein
Kurz notiert

Ostfront - bis heute symbolisiert dieses Wort für viele Deutsche die Schrecken des Zweiten Weltkriegs par excellence. Die Kriegsereignisse im Westen erscheinen dagegen oft in einem milderen Licht. Zu Unrecht, wie der deutsche Militärhistoriker Peter Lieb in seinem aktuellen Band über die Landung der Westalliierten in der Normandie vor 70 Jahren darstellt. "Die Kampf- und Schlachtfelder bei der Invasion waren in meinem insgesamt zehnjährigen Kriegserleben zwischen Kaspischem Meer und Atlantik die denkbar schwersten und furchtbarsten", resümierte bereits der deutsche General Leo Geyr. So starben während der Kämpfe um die Normandie zwischem dem Tag der Landung am 6. Juni und Ende August 1944 schätzungsweise 55.000 deutsche und 65.000 alliierte Soldaten sowie 19.000 französische Zivilisten. Hinzu kamen unzählige Verwundete.

Lieb, er lehrt unter anderem an der britischen Militärakademie in Sandhurst, räumt aber auch mit anderen Mythen - etwa dem vom vermeintlich "sauberen" Krieg im Westen - auf. So standen Kriegsverbrechen wie die Erschießung von Gefangenen auf deutscher wie auch auf amerikanischer und britischer Seite auf der Tagesordnung. Der Historiker scheut sich auch nicht, den blutigen französischen Bürgerkrieg zwischen Widerstandskämpfern und Kollaborateuren sowie Vichy-Franzosen zu thematisieren.

Peter Lieb hat kein detailliertes Schlachtengemälde gezeichnet wie etwa sein britischer Historikerkollege Antony Beevor mit seinem umfangreichen Werk über den "D-Day". Natürlich vermittelt auch Lieb einen Überblick über die wichtigsten militärischen Operationen, die amphibischen Landungen an den Küsten oder das massenhafte Absetzen von Fallschrimjägern und Luftlandetruppen im Hinterland. Vor allem aber geht es dem Historiker darum, die Landung in der Normandie insgesamt in das Geschehen des Zweiten Weltkriegs einzuordnen und ihre militärische und auch politische Bedeutung herauszuarbeiten. Und dies gelingt ihm auf hervorragende Art und Weise.

Peter Lieb:

Unternehmen Overlord. Die Invasion in der Normandie und die Befreiung Westeuropas.

Verlag C. H. Beck, München 2014; 254 S., 14,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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