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Claudia Heine/Helmut Stoltenberg
Kurz notiert

16.10.1989 Erneute Großdemonstration in Leipzig mit diesmal mehr als 100.000 Menschen. Erstmals wird im DDR-Fernsehen über die Massenproteste berichtet.

17./18.10.1989 Der Machtkampf im SED-Politbüro endet mit Honeckers Sturz. Egon Krenz, neuer SED-Generalsekretär, kündigt ein neues Reisegesetz an.

26.10.1989 Die Stasi zählt allein an diesem Tag 160.000 Demonstranten in mehreren Bezirken.

27.10.1989 Der DDR-Staatsrat verkündet eine Amnestie für Flüchtlinge und Demonstranten.

1.11.1989 Nach Wiederzulassung des visafreien Reiseverkehrs in die CSSR strömen erneut DDR-Bürger in die Bonner Botschaft in Prag, um ihre Ausreise zu erwirken.

Krenz erklärt nach einem Gespräch mit Gorbatschow, Wiedervereinigung und Mauer-Abriss seien "nicht auf der Tagesordnung".

4.11.1989 Auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz demonstrieren fast eine Million Menschen für demokratische Reformen und freie Wahlen. Es ist die bis dahin größte Kundgebung in der DDR.

6.11.1989 Der vom DDR-Ministerrat veröffentlichte Entwurf eines neuen Reisegesetzes, der Willkür bei Genehmigungen von Auslandsreisen nicht ausschließt, löst in der Bevölkerung Proteste aus.

8.11.1989 Das Politbüro tritt geschlossen zurück; dem neuen Politbüro gehört auch Hans Modrow an, den die SED als Ministerratsvorsitzenden vorschlägt. Das Neue Forum wird als Vereinigung zugelassen.

9.11.1989 In Berlin fällt die Mauer:

09.00 Uhr Offiziere des DDR-Innenministeriums und der Staatssicherheit erarbeiten gemäß einem Politbüro-Auftrag eine neue Ausreisereiseregelung.

16.00 Uhr Krenz verliest im SED-Zentralkomitee den Reiseregelungs-Entwurf, der ihm als Beschlussvorlage des Ministerrates einschließlich Pressemitteilung vorliegt.

17.30 Uhr Krenz gibt beide Papier an ZK-Sprecher Günter Schabowski.

18.00 Uhr Beginn der Pressekonferenz, auf der Schabowski (Bild) kurz vor 19.00 Uhr die neue Reiseregelung bekannt gibt. "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (...) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt". Auf die Frage, ab wann die Regelung in Kraft tritt, antwortet Schabowski: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort. Unverzüglich."

19.05 Uhr Eilmeldung der Nachrichtenagentur AP: "DDR öffnet Grenze".

20.15 Uhr 80 Ost-Berliner haben sich laut Volkspolizei an den Grenzübergängen Bornholmer Straße, Invalidenstraße und Heinrich-Heine-Straße eingefunden; um 21.30 Uhr sind es an der Bornholmer Straße zwischen 500 und 1.000 Menschen. Kohl erfährt nach einem Staatsbankett in Warschau von den Ereignissen.

22.00 Uhr Stasi-Chef Erich Mielke informiert Krenz über die Lage an der Grenze. Krenz lässt "den Dingen freien Lauf", ohne einen ausdrücklichen Befehl zu erteilen.

22.42 Uhr In den ARD-"Tagesthemen" sagt Moderator Hanns Joachim Friedrichs: "Dieser 9. November ist ein historischer Tag: Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jeden geöffnet sind. Die Tore in der Mauer stehen weit offen." Nach der Sendung setzt ein Massenansturm auf die Übergänge ein.

23.30 Uhr In der Bornholmer Straße beschließt Oberstleutnant Harald Jäger angesichts des Andrangs, den Übergang zu öffnen. Tausende Menschen werden auf der West-Berliner Seite begeistert begrüßt. Bis Mitternacht wird die Öffnung aller Berliner Übergänge erzwungen, teilweise von West-Berlinern. Zwischen 1 Uhr und 2 Uhr überwinden tausende West- und Ost-Berliner die Mauer am Brandenburger Tor.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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