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Claudia Heine/Helmut Stoltenberg
Kurz notiert

11./12.11.1989 Am ersten Wochenende nach der Grenzöffnung besuchen schätzungsweise zwei Millionen DDR-Bürger West-Berlin; eine weitere Million passiert die innerdeutsche Grenze.

13.11.1989 In der Volkskammer kündigen die Abgeordneten der Blockparteien der SED die Gefolgschaft auf. Die Volkskammer wählt Hans Modrow bei einer Gegenstimme zum Ministerratsvorsitzenden. Am 18. November wählen die Abgeordneten eine neue Regierung unter Modrow.

22.11.1989 Das SED-Politbüro erklärt sich bereit, an einem "Runden Tisch" mit den Blockparteien, den neuen Parteien und Bürgerbewegungsgruppen über freie Wahlen und eine Verfassungsreform zu sprechen.

27.11.1989 Auf der Montagsdemonstration in Leipzig mit rund 200.000 Teilnehmern wird auch die Wiedervereinigung gefordert.

28.11.1989 Bundeskanzler Kohl (Bild) gibt im Bundestag sein Zehn-Punkte-Programm bekannt, das über einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren die stufenweise Entwicklung konföderativer Strukturen mit dem Ziel einer einheitlichen bundesstaatlichen Ordnung beinhaltet.

1.12.1989 Die Volkskammer streicht die führende Rolle der SED aus der Verfassung und bedauert die mittelbare Beteiligung der DDR am Einmarsch in die CSSR 1968.

3.12.1989 Auf der letzten Sitzung des SED-Zentralkkomitees treten ZK und Politbüro mit Generalsekretär Krenz an der Spitze zurück. Honecker, Mielke und andere führende Mitglieder werden aus der Partei ausgeschlossen.

4.12.1989 Die Stasi-Bezirksverwaltungen in Erfurt und anderen Städten werden von aufgebrachten Bürgern besetzt.

6.12.1989 Krenz tritt als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates zurück.

7.12.1989 Der zentrale "Runde Tisch", an dem SED, Blockparteien, Massenorganisationen und Opposition teilnehmen, spricht sich auf seiner ersten Sitzung für Neuwahlen und die Auflösung des in "Amt für Nationale Sicherheit" (AfNS) umbenannten Ministeriums für Staatssicherheit aus.

8/9.12.1989 Beginn eines außerordentlichen SED-Parteitages. Ein Antrag auf Selbstauflösung findet keine Mehrheit; Gregor Gysi wird neuer SED-Vorsitzender.

11.12.1989 Bei zahlreichen Montagsdemonstrationen kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern einer Wiedervereinigung.

16./17.12.1989 Beim zweiten Teil des außerordentlichen SED-Parteitages benennt sich die Partei in "SED-PDS" (Partei des demokratischen Sozialismus) um.

19.12.1989 Kohl wird anlässlich eines Treffens mit Modrow in Dresden begeistert von der Bevölkerung empfangen. Bei einer Kundgebung mit dem Kanzler bekunden Hunderttausende ihren Willen zur deutschen Einheit.

8.1.1990 Bei der ersten Montagsdemonstration im neuen Jahr in Leipzig mit rund 100.000 Teilnehmern dominiert ein Meer von schwarz-rot-goldenen Fahnen das Bild; in Sprechchören wird gerufen: "Deutschland - einig Vaterland".

11.1.1990 Modrow erklärt, dass "eine Vereinigung von DDR und BRD nicht auf der Tagesordnung" stehe.

15.1.1990 Tausende Demonstranten besetzen die Stasi-Zentrale in Ost-Berlin.

23.1.1990 DDR-Grenzsoldaten beginnen mit dem Abriss der Berliner Mauer.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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