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Benjamin Stahl
Vor großen Aufgaben

Vor großen Aufgaben 7.September 1949: Erster Bundestag konstituiert sich

Kurz nach 16 Uhr erklingt im neu errichteten Plenarsaal in Bonn Ludwig van Beethovens Ouvertüre „Weihe des Hauses“, Opus 124. Es ist der 7. September 1949. Auf den schwarzlackierten Eichenholzstühlen mit den grünen Polstern haben die 410 Abgeordneten des ersten Deutschen Bundestages, der sich an diesem Tag konstituiert, Platz genommen. Die Sitzung wird live im Hörfunk übertragen.

Unter den 410 Parlamentariern sind acht aus Berlin, einer von ihnen ist der 73-jährige Alterspräsident Paul Löbe (SPD). Als die Musik damals verstummte, begann mit seiner Eröffnungsrede die Arbeit der ersten frei gewählten deutschen Volksvertretung nach dem Nationalsozialismus.

Der Bundestag, in den elf Parteien eingezogen waren, hatte vier Jahre nach Kriegsende viel zu tun und zahlreiche Probleme vor der Brust. Das Volk hoffe, mahnte Löbe, dass der Bundestag für „eine stabile Regierung, eine gesunde Wirtschaft“ und „eine neue soziale Ordnung“ sorgt. Die „Wiedergewinnung der deutschen Einheit“ nannte er die „erste unserer Aufgaben“. Auch galt es, sich etwa den „Heimatvertriebenen“ und „Opfern des Naziregimes“ anzunehmen. „Wir werden (…) noch lange der Hilfe des Auslandes bedürfen“, glaubte Löbe, war sich aber sicher: „Unser arbeitsames, tüchtiges, ordnungsliebendes, leider politisch so oft irregeführtes Volk wird es schaffen.“ Anschließend wählte das Parlament in seiner ersten Abstimmung Erich Köhler (CDU) zum Bundestagspräsidenten. Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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