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GEOTHERMIE
Julian Burgert
Genutzte Erdwärme

Hohe Kosten und geologische Risiken

Im Erdinneren ist es heiß, sehr heiß. Und das nicht nur dort, wo es vulkanisches Gestein gibt. Je weiter man von der Erdoberfläche in die Tiefe bohrt, umso wärmer wird es. Im Schnitt erhöht sich die Temperatur um etwa drei Grad Celsius je 100 Meter Tiefe. Diese Hitze wird schon seit längerem für die Versorgung mit Erdwärme genutzt, doch für die Stromerzeugung spielt sie bislang nur eine kleine Rolle.

Hohe Kosten Das technische Prinzip hinter der Geothermie ist eigentlich sehr einfach: Es werden tiefe Löcher in die Erde gebohrt, durch die heißes Grundwasser nach oben gepumpt wird, welches dann zur Stromerzeugung genutzt wird. Um allerdings Strom zu erzeugen benötigt man eine Temperatur von mehr als 100 Grad Celsius. Abhängig von den geologischen Gegebenheiten muss dafür zwischen drei und fünf Kilometer tief gebohrt werden. Das führt zu hohen Investitionkosten und langen Planungszeiten für ein Kraftwerk.

Für den Bundesverband Geothermie (GtV) ist die Energiequelle Geothermie ein wesentlicher Baustein der Energieversorgung. Da unabhängig vom Wetter, praktisch überall zu haben und prinzipiell unerschöpflich, eigne sie sich gut für die Bereitstellung der Grundlastversorgung. Kritiker verweisen auf die hohen Investitionskosten und ungeklärten geologische Folgen.

Die meisten Geothermiekraftwerke stehen in Bayern. Geologisch betrachtet eignet sich nämlich der Süden Deutschlands besser für Geothermie als der Norden, dort ist das Gestein härter. Eine Sonderzahlung für Projekte in solch härterem Erdboden wurde in der Novelle zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Juli gestrichen.

Deutschlandweit gibt es sieben Geothermiekraftwerke, die Strom produzieren. Laut dem GtV erzeugen diese zusammen jährlich eine Leistung von 31,31 Megawatt. Zum Vergleich: eine Windkraftanlage an Land produziert im Durchschnitt 2,6 Megawatt. Der durch Geothermie produzierte Strom wird laut EEG mit 25,20 Cent pro Kilowattstunde vergütet, was die Geothermie zur teuersten erneuerbaren Energiequelle macht. Das räumt auch der GtV ein, verweist jedoch auf eine höhere Ausbeute pro Megawatt, da der Strom unabhängig vom Wetter erzeugt werden kann.

Wegen ungeklärter geologischer Folgen soll derweil im rheinland-pfälzischen Landau ein seit 2007 bestehendes Kraftwerk wieder geschlossen werden. Die Bohrungen hatten zu leichten Erdbeben und Erdverschiebungen geführt, die Folge waren Risse in den Straßen und verformte Gleise. jbb

Aus Politik und Zeitgeschichte

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