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FRACKING
Julian Burgert
Vorerst kein Bohren nach Gas

In den USA verbreitet, soll es in Deutschland wegen ungeklärter Folgen für die Umwelt verboten werden

Es ist eine der umstrittensten Methoden, um fossile Brennstoffe abzubauen: das Fracking. Bei dieser Art der Förderung werden riesige Mengen an Wasser, das mit Chemikalien und Sand versetzt ist, in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Dadurch entstehen Risse, durch die Öl und Gas herausgelöst wird. In den USA erfreut sich diese Fördermethode großer Beliebtheit und hat zum Sinken der Energiepreise und größerer Energieunabhängigkeit des Landes geführt. Die Energiebranche würde Fracking deshalb auch gerne in Deutschland einsetzen. Doch die langfristigen Folgen der Abbaumethode für den Erdboden sind noch ungeklärt und besonders die Gefahr einer Verseuchung des Grundwassers durch die benutzten Chemikalien sorgt für breite Skepsis in Bevölkerung und Politik. Deshalb will die Bundesregierung Fracking vorerst verbieten.

Zwei Arten Beim Fracking muss zwischen dem konventionellem und dem unkonventionellem Fracking unterschieden werden. Bei konventionellem Fracking wird das Gestein bis zu einer Tiefe bis zu fünf Kilometern aufgebrochen, um an eine darunter liegende Gasblase zu kommen. Diese Art des Frackings wird in Deutschland bereits seit Jahrzehnten angewandt. Neu ist hingegen das unkonventionelle Fracking, bei dem Gas, das in mikroskopisch kleinsten Räumen in Ton- und Schiefergestein gespeichert ist, dort hydraulisch herausgepresst wird. Das geschieht in den USA seit einigen Jahren im großem Stil, wodurch die Erdgaspreise dort massiv gesunken sind. Für Deutschland schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), dass die technisch-förderbare Schiefergasmenge dem Zwei- bis Dreifachen der derzeitigen deutschen Erdgasreserven entspricht. Der Präsident der BGR, Hans-Joachim Kümpel, spricht sich denn auch für Fracking aus: „Aus geowissenschaftlicher Sicht ist die Skepsis unbegründet.“ Auch die Energiewirtschaft fordert eine Anwendung der Fördermethode auf breiter Fläche. Der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung weist auf die Chance hin, sich so unabhängiger von Energie-Importen zu machen.

Der Umweltrat der Bundesregierung jedoch ist gegen Fracking. Es bestünden gravierende Wissenslücken hinsichtlich der Folgen für die Umwelt, heißt es. Das Bundesumweltamt sieht das ähnlich. „Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie – und braucht daher enge Leitplanken zum Schutz von Umwelt und Gesundheit“, sagte dessen Präsidentin, Maria Kreutzberger, Ende Juli bei der Vorstellung eines Gutachtens zum Thema. Sie fordert schärfe Umweltauflagen. Entsprechend skeptisch agiert die Bundesregierung. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) einigten sich in einem Eckpunktepapier darauf, unkonventionelles Fracking vorerst zu verbieten. Nur zu Testzwecken und nur ab einer Tiefe von 3.000 Metern soll es vereinzelt erlaubt sein. Konventionelles Fracking bleibt aber weiterhin legal. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag soll nach der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden. Julian Burgert

Aus Politik und Zeitgeschichte

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