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BRANDENBURG
Alexander Weinlein
Revolution von unten

Feldheim ist ein energieautarkes Dorf

Man muss schon zu einer Landkarte mit sehr großem Maßstab greifen, um Feldheim in Brandenburg zu finden. Doch auf einer Karte der Energiewende wäre das 140-Seelen-Dorf als Großstadt verzeichnet. Denn die Feldheimer haben bereits realisiert, wovon die Vorkämpfer eines atom- und kohlestromfreien Deutschlands bislang noch träumen. In dem kleinen Dorf rund 60 Kilometer südwestlich von Berlin, einem Stadtteil der Gemeinde Treuenbrietzen, wurde die Energiewende bereits vor zehn Jahren eingeleitet und bis heute konsequent umgesetzt. Seit 2010 gilt Feldheim als energieautark.

Auf den Ackerflächen rund um Feldheim stehen 43 Windräder mit einer Leistung von 74 Megawatt, die von der Firma Energiequelle GmbH betrieben werden. Die Feldheimer selbst benötigen vom produzierten Strom allerdings nur einen minimalen Bruchteil. Geheizt wird in Feldheim mit Nahwärme, die in einer Biosgasanlage aus der Gülle der örtlichen Schweinezucht und dem angebauten Mais produziert wird. Was Feldheim jedoch wirklich von anderen Gemeinden unterscheidet, in denen ähnliche Projekte laufen, ist der Umstand, dass das Dorf über seine eigenen Leitungsnetze für Strom und Wärme verfügt. Die daraus resultierende Unabhängigkeit von den großen Energie- und Netzbetreibern kommt in Deutschland einer kleinen Revolution gleich. Zu diesem Zweck gründete die Dorfgemeinschaft eine eigene Betreibergesellschaft. Für eine Einlage von 3.000 Euro wurden die Haushalte an die eigenen Netze angeschlossen.

Das Feldheimer Projekt ist jedoch weit mehr als der Ausdruck einer ökologischen Gesinnung. Die Feldheimer sparen auch bares Geld. So liegt der Strompreis mit 16,6 Cent pro Kilowattstunde deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von derzeit rund 29 Cent und damit ungefähr auf dem Niveau von 1998. Und auch der Preis für die Nahwärme liegt unter dem von Gas oder Öl.

Batterieanlage Auch für die Zukunft hält Feldheim an seinem Kurs fest. Anfang August dieses Jahres wurde der erste Spatenstich für den Bau eines Batteriespeichers gesetzt, aus dem auch an windstillen Tagen Strom eingespeist werden kann. Rund 13 Millionen Euro kostet das Projekt, das zu 40 Prozent aus Fördergeldern Brandenburgs und der Europäischen Union finanziert wird. Bis Ende des Jahres sollen die 3.360 Lithium-Ionen-Speichermodule mit einer Kapazität von 10.000 Kilowattstunden in Betrieb gehen. aw

Aus Politik und Zeitgeschichte

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