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RHEINLAND-PFALZ
Alexander Weinlein
Widerstand von unten

Bürgerinitiativen machen Front gegen den Ausbau der Windkraft

Die einen Sorgen sich um den Erhalt der Natur. Andere sehen den Wert ihres Eigenheims bedroht, wenn es zu hahe an den 200 Meter hohen Masten moderner Windmühlen steht. Wiederum andere fürchten um ihre Gesundheit, wenn sie im ständig wiederkehrenden Schlagschatten der 60 Meter langen Flügel und des dadurch verursachten Lärms leben müssen. So unterschiedlich die Ängste und Motive sein mögen, so vereint zeigen sich zunehmend mehr Bürger in ihrem Widerstand gegen einen in ihren Augen verfehlten Ausbau der Windenergie. Rund 340 Bürgerinitiativen haben sich bundesweit inzwischen in der Interessengemeinschaft „Vernunftkraft“ .zusammengeschlossen und rebellieren gegen die derzeitige Energiepolitik – so zum Beispiel in Rheinland-Pfalz.

Das Bundesland an Rhein und Mosel hat sich ambitionierte Ziele gesteckt. So soll die Zahl der Windräder von rund 1.200 (Stand Ende 2012) mit 1.923 Megawatt Leistung auf etwa 2.650 Anlagen mit 7.500 Megawatt erhöht werden. In 16 Jahren will das Land, so die Pläne der rot-grünen Regierung unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), seinen kompletten Strombedarf aus regenerativen Energien, vor allem Windkraft, speisen. Strittig ist allerdings, wo all die Windmühlen stehen sollen. Grundlage für die Standortsuche bildet der im Sommer 2013 vom TÜV Süd herausgebene „Windatlas“. Da die Windstärke mit steigender Höhe zunimmt, sind für de Windkraftbranche vor allem Lagen in der Vulkaneifel, dem Hunssrück und dem Pfälzerwald von Interesse. Und genau in diesen Regionen formierte sich schnell der Widerstand gegen die geplanten Neubauten von Windmühlen.

Front gegen die Pläne der Landesregierung machen dabei auch Bürger, die die Ziele der Energiewende prinzipiell mittragen und den Ausbau regenerativer Energien durchaus befürworten. So zum Beispiel die Initiative Pro Pfälzerwald. Diese sieht eines der größten deutschen Naturwunder bedroht.

Bedrohter Wald Der rund 60 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Naturpark Pfälzerwald bildet den deutschen Teil des grenzüberschreitenden Unesco-Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Und dies sei durch den geplanten Bau von 40 Windrädern auf deutscher Seite massiv bedroht, mahnt die Initiative. Unterstützung bekommen die Pfälzer auch von Martin Waldhausen, Referatsleiter im Bundesumweltministerium und zugleich Vorsitzender des deutschen Komitees für das Unesco. „Der Pfälzerwald ist ein großer Schatz! Er spielt in einer Liga mit dem Ayers Rock in Australien, der Serengeti in Afrika und den Niagara Fällen in Kanada, die ebenfalls ganz oder teilweise Biosphärenreservate sind, wo aber keiner auf die Idee kommen würde, Windkraftanlagen aufzustellen“, argumentiert Waldhausen. Rund 850.000 Quadratkilometer Wald könnten den Windmühlen und den benötigten Zufahrtswegen für Wartungsarbeiten zum Opfer fallen.

Die Initiative warnt jedoch nicht nur vor der Zerstörung der Natur, sondern argumentiert auch mit ganz handfest ökonomischen Argumenten. Wirtschaftlich sei es ein Irrweg, in einer der windschwächsten Regionen Europas einerseits eine einzigartige Naturlandschaft zu zerstören und damit zugleich die Einnahmen von jährlich 800 Millionen Euro durch den Tourismus im Pfälzerwald zu gefährden, rechnet Ernst Gerber von der Initiative Pro Pfälzerwald vor. Alexander Weinlein

Aus Politik und Zeitgeschichte

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