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Götz Hausding
Mehr Bildung für Mädchen

Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees, den Friedensnobelpreis in diesem Jahr der 17-jährigen pakistanischen Menschenrechtsaktivistin Malala Yousafzai zuzusprechen, ist im Bundestag auf breite Zustimmung gestoßen. Malala sei eine Symbolfigur für den Kampf um das Recht auf Bildung für Mädchen, sagte Claudia Lücking-Michel (CDU) vergangenen Freitag in einer Vereinbarten Debatte zum Weltmädchentag. Als Elfjährige schon hatte Malala – im pakistanischen Swat-Tal unter einer Taliban-Herrschaft lebend – unter einem Pseudonym einen Internetblog geschaffen, in dem sie für das Recht von Mädchen auf Bildung eintrat. Als die Taliban hinter ihr Pseudonym kamen, verübten sie 2012 einen Mordanschlag auf das Mädchen, den Malala überlebte. „Malalas Devise war: Ein Kind, eine Lehrerin, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern“, sagte Uwe Kekeritz (Bündnis 90/Die Grünen). Damit sei das Mädchen zu einer Gefahr für die Taliban geworden.

Bildung, so wurde während der Debatte deutlich, ist aus Sicht aller Fraktionen der wichtigste Baustein auf dem Weg zur weltweiten Gleichstellung. 31 Millionen Mädchen im entsprechenden Alter würden weltweit keine Grundschule besuchen, sagte Annette Groth (Die Linke). Das seien fünf Millionen mehr als bei den Jungen des gleichen Alters. Dass zwei Drittel aller Analphabeten weiblich seien, „ist kein Zufall sondern ein strukturelles Problem“, befand Groth und verlangte, Geld in die Bildung von Mädchen zu investieren statt in die Rüstung. Michaela Engelmeier (SPD) forderte dagegen vorzugehen, dass Mädchen gegen ihren Willen vor dem 18. Lebensjahr verheiratet werden. Laut Unicef beträfe dies mehr als 60 Millionen Mädchen, die „nicht nur ihrer Kindheit beraubt werden, sondern auch ihrer Chancen auf Bildung und Beruf“.

Den Weltmädchentag zu begehen sei 2014 angesichts des IS-Terrors wichtiger denn je, sagte die Unionsabgeordnete Lücking-Michel. „Berichte aus dem Nordirak hören sich an wie Szenen aus einem Horrorfilm“, sagte sie. Systematische Vergewaltigungen gebe es ebenso wie den Handel mit Frauen und Mädchen, die „als Sklavinnen verkauft werden“.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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