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Ortstermin: Fest zum Tag der deutschen Einheit
Julian Burgert
Planspiele in Sachen Demokratie

„Der Deutsche Bundestag in Hannover – zu Gast beim Parlament.“.Unter diesem Motto präsentierte sich das deutsche Parlament beim Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit am 2. Oktober und 3. Oktober 2014 in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Wie die anderen Verfassungsorgane, die 16 Bundesländer und zahlreiche andere Institutionen auch informierte das deutsche Parlament auf dem Festgelände am Maschsee über seine Arbeit und Geschichte. Dabei war der zweite Teil des Mottos durchaus wörtlich zu nehmen, denn die Besucher des Standes konnten hier als fiktive Abgeordnete an einer Debatte in einem nachgebauten Plenarsaal teilnehmen.

„Eine super Sache“, fand Birgit Krause. „Ich war vergangenes Jahr schon auf dem Festakt in Stuttgart da, und mir hat das damals schon so gefallen, dass ich dieses Jahr wieder hin wollte.“ Deshalb habe sie sowohl ihren Mann als auch ein befreundetes Ehepaar überredet, mitzukommen. Die vier waren zwar schon einmal auf der Besuchertribüne im Reichstagsgebäude in Berlin, eine echte Debatte verfolgt geschweige denn mitgemacht haben sie aber noch nicht.

Im Zelt des Bundestags in Hannover erlebten sie jedenfalls sehr viel „echtes Parlament“. Gemäß der Geschäftsordnung des Bundestages leitete ein „Bundestagspräsident“ vor einem Bundesadler aus Pappe und deutscher Flagge die Debatte, ein „Bundeskanzler“ sprach für die Regierung und ein fiktiver Bundesratspräsident vertrat die Länder. Wie im richtigen Parlament auch erhoben sich die „Abgeordneten“ zum Gong, als der Bundestagspräsident erschien, und stimmten in der namentlichen Abstimmung mit ihren blauen, roten oder weißen Kärtchen ab. Entschieden wurde unter anderem über den Führerschein mit 16 oder die Einführung des hannöverischen Dialekt als offizielle Amtssprache in ganz Deutschland.

Ein besonderes Schmankerl für die Teilnehmer der Plenarsitzung war der Besuch des echten Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU). Dieser zeigte sich erfreut, dass der Plenarsaal so voll sei. „Das ist nicht immer der Fall“, sagte er. Abgesehen von den großen, wichtigen Regierungserklärungen säßen im Plenum oft nur die entsprechenden Fachpolitiker zu dem jeweiligen Thema. „Voll sind die Parlamente nur da, wo sie nichts zu sagen haben“, sagte Lammert. Anschließend stellte er sich den Fragen der Besucher, beispielsweise zur Rolle von Volksbeteiligungen und -befragungen in der Politik.

Im Planspiel trafen die Protagonisten anscheinend genau die richtige Mischung aus Informationsvermittlung, Unterhaltung und Würde des Hauses, so die Aussage zahlreicher Besucher. Für Katherina (15) aus der zehnten Klasse der Goethe-Schule aus Hannover war die fiktive Debatte ein „toller Einblick in die Arbeit des Bundestages“. Ihre Klassenkameradin Sofia (16) war überrascht, dass die Opposition eine größere Rolle im Bundestag spielt als erwartet. Neben der Plenardebatte gab es noch Planspiele der Fraktionssitzungen aller im Bundestag vertretenen Parteien. Ansonsten standen den Besuchern noch jede Menge weitere Informationsmöglichkeiten über den Bundestag zur Verfügung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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