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Kultur
Alexander Weinlein
Trauer um Siegfried Lenz

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat den in der vergangenen Woche verstorbenen Schriftsteller Siegfried Lenz in einem Kondolenzbrief an dessen Familie als „herausragenden Literaten“ der deutschen Nachkriegsgeschichte und „intellektuelle Persönlichkeit“ gewürdigt. Lenz‘ Bedeutung habe dessen Freund Marcel Reich-Ranicki für sein eigenes Schaffen einmal so beschrieben: „Dies jedenfalls ist sicher: Je älter ich werde und je häufiger ich an Siegfried Lenz denke, desto größer wird meine Dankbarkeit.“ Diese Sätze können, so Lammerts Überzeugung, für unser ganzes Land gelten.

Der am 17. März 1926 im ostpreußischen Lyck geborene Schriftsteller gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Erzählern der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Als sein wichtigstes Werk gilt der in viele Sprachen übersetzte und verfilmte Roman Deutschstunde (1968) über die Zeit des Nationalsozialismus. Er verfasste 14 Romane und über hundert Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele und Essays.

Lenz „wagte mit Blick auf seine Zeit, auf die ‚Wohlstandsjahre‘ der noch jungen Bundesrepublik, das Außerordentliche: Er fragte nach der Not, nach der Mitschuld und Mitverantwortung des Einzelnen in der Zeit des Nationalsozialismus. Und er klärte und klärt darüber mit seinen Romanen und Erzählungen bis heute wie kein Zweiter auf“, beschreibt Lammert Lenz‘ Wirken. „Menschlichkeit und literarisches Feingefühl machen Siegfried Lenz zu einer Ausnahmeerscheinung in der Weltliteratur. Eine große literarische Stimme ist verstummt, seine Werke aber bleiben.“

Aus Politik und Zeitgeschichte

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