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Parlamentsgeschichte
Bernd Haunfelder
Wenn Namen den Weg ebnen

Oft ebnet allein ein bekannter Name die Karriere – auch in der Politik. In der Geschichte des Reichstags von 1871 bis 1918 gehörten vor allem den liberalen Fraktionen Träger bekannter Namen an. Darunter war Gotthold Lessing, Nachfahre des Dichters und Mitbesitzer der „Vossischen Zeitung“ in Berlin. Ihm gehörte auch das Schloss Meseberg, das heutige Gästehause der Bundesregierung. Ferner saßen im Parlament der Chemiker Wilhelm Büchner, jüngerer Bruder des Dramatikers Georg Büchner, sowie Franz von Liszt, bekannter Strafrechtler und Vetter des Komponisten. Auch Eduard Brockhaus, Komplementär des Verlagshauses, Adolf Brüning, Mitbegründer der Farbwerke Hoechst, Hugo Buderus, Spross der Wetzlarer Eisendynastie, Georg Siemens, Wegbereiter der Deutschen Bank, sowie der Begründer der „Frankfurter Zeitung“, Leopold Sonnemann, gehörten dem Reichstag zu unterschiedlichen Zeiten an. MdR waren ferner Friedrich Kapp, Vater des 1920 putschenden Generallandschaftsdirektors Wolfgang Kapp, dazu Max Weber, Vater des gleichnamigen Wegbereiters der Soziologie, Johannes Tönnies, Bruder des Soziologen Ferdinand Tönnies, und Paul Langerhans, dessen Sohn durch die Entdeckung der sogenannten Langerhansschen Inseln als Teil der Bauchspeicheldrüse den Weg zur modernen Diabetesforschung wies. Aber auch Verwandte bedeutender Persönlichkeiten sind zu nennen: Walter Dirichlet-Lejeune und Waldemar Graf von Oriola, Ersterer ein Neffe des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy, letzterer ein Enkel Bettina von Arnims.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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