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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Taschentücher für den WHM

Was haben Recep Tayyip Erdogan und Volker Kauder gemeinsam? In ihren Bücherschränken werden wir das Werk „Der weiße Mann. Ein Anti-Manifest“ von Luca di Blasi wohl vergeblich suchen. Der deutsch-italienische Philosoph stimmte Ende vergangenen Jahres nämlich nicht weniger als den Abgesang auf den „WHM“ an. Der WHM – das Kürzel steht für weißer, heterosexueller Mann – gilt unter Feministinnen und Feministen, Vorkämpferinnen und Vorkämpfern des „gender mainstream“ als der idealtypische Hauptverantwortliche für alles, was seit der Vertreibung von Eva und Adam aus dem Paradies schief gelaufen ist – bis hin zu Rainer Brüderles missglücktem Dirndl-Dialog. Ob Unterdrückung der Frau, Rassismus oder Diskriminierung von Homosexuellen – WHM habe stets die erste Geige gespielt. Doch damit soll nun Schluss sein. Nur Erdogan weiß das noch nicht. Gleichstellung der Frau? Mit ihm nicht zu machen, stellte er kategorisch fest. Das widerspreche dem Islam, sei unnatürlich und schade außerdem der türkischen Nation.

Und Kauder? Er ahnt wohl was. Zumindest musste er sich von SPD und Grünen vorhalten lassen, er solle sich seine an Manuela Schwesig adressierten „Macho-Sprüche“ sparen und nicht „rumheulen“. Vielleicht hätte er die verschmähten Taschentücher, die ihm die Grünen im Plenarsaal so spöttisch anboten, doch annehmen sollen. Schließlich eignen sich Taschentücher ja nicht nur zum Stillen eines unkontrollierten Tränenflusses. Man kann auch ganz hervorragend mit ihnen zum Abschied winken – so als WHM. Oder man schickt sie nach Ankara. 

Aus Politik und Zeitgeschichte

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