Inhalt

Gastkommentare - Contra
Claus Hulverscheidt
Nicht notwendig

Muss der Staat jetzt Schulden Abbauen?

Wer einen Kredit aufnimmt, muss Zins- und Tilgungszahlungen leisten. Gelegentlich verzichtet die Bank zu Beginn auf die Tilgung und gibt sich mit den Zinsen zufrieden. Kein Institut der Welt aber würde es zulassen, dass ein Schuldner tilgt, indem er sich immer weitere, immer größere Darlehen besorgt. G enau so aber handelt seit langem der Bund, dessen Schuldenberg sich mittlerweile auf fast 1,3 Billionen Euro summiert. Eine gewaltige Last für künftige Generationen, erst recht dann, wenn die Zinsen einmal wieder steigen. Kein Wunder also, dass Politiker und Ökonomen fordern, jetzt, da der Etat ausgeglichen ist, mit der Rückzahlung der Schulden zu beginnen.

Rein buchhalterisch gedacht ist das logisch. Ökonomisch betrachtet aber wäre es Wahnsinn. Zum einen hieße es, gerade jene Generationen zu belasten, die demografisch bedingt ohnehin ächzen werden. Gravierende Folgen für den Konsum und damit die Wirtschaftsentwicklung wären unvermeidlich. Zum anderen ist die Rückzahlung der Schulden gar nicht notwendig. Volkswirtschaftlich gesehen ist nämlich nicht die Höhe der Verbindlichkeiten entscheidend, sondern ihr Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Diese Quote aber sinkt automatisch, wenn die Wirtschaft wächst und zugleich der Bundestag auf eine Nettokreditaufnahme verzichtet, den Schuldenstand also einfriert. Der Teil der Staatseinnahmen, der für Zinsen verloren geht, wird dann Jahr für Jahr kleiner und der Spielraum für andere Ausgaben immer größer.

Auch wenn es nach Voodoo klingt: Das Problem löst sich so von alleine. Hier gilt ausnahmsweise einmal, dass die Politik dann am meisten tut, wenn sie gar nichts tut.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag